Wissenschaften

Nicht ohne meine Seele

Wer zu einem Schulmediziner geht, wenn er krank ist, wird in den meisten Fällen nach Symptomen behandelt, nicht nach Ursachen. Diese liegen oft an ganz anderer Stelle. Laut dem Mediziner Ruediger Dahlke, der seinen Schwerpunkt auf das ganzheitliche Verständnis von Krankheit legt, ist jegliche Krankheit ein Hinweis der Seele auf einen ungelösten Konflikt, der mit Hilfe der körperlichen Symptome in das Bewusstsein des Menschen dringen soll, damit er bearbeitet und geheilt werden kann. Gerade für Menschen mit chronischen Erkrankungen kann ein solcher Ansatz Hoffnung auf Heilung bedeuten.

"Krankheit als Symbol" ist eines der Hauptwerke Dahlkes, das er bereits in den 1990er-Jahren verfasst hat und das seitdem etliche Neuauflagen erfahren hat. Die neueste wurde wiederum um viele Krankheitsbilder erweitert und auf den aktuellen Stand gebracht. Das mittlerweile über 800 Seiten starke Nachschlagewerk, beginnt zunächst mit einer 80-seitigen Einleitung in die Krankheitsbilderdeutung, in der es u.a. um Psychosomatik, die Sprache des Körpers und das Verhältnis von Körper und Seele geht.

Der zweite Teil stellt ein Register über Körperregionen und Organe dar, welche symbolische Bedeutung sie haben und welche zu bearbeitenden Themen mit ihnen verbunden sind. So ist z.B. der Magen von seiner Bedeutung her Wiege und Nest der Kindheit, er ist Aufbewahrungsort alles Geschluckten. Aufgaben und Themen, die mit ihm verbunden sind, sind Aufnahme, Hingabe, Fühlen, Offenheit, und es geht um das "Aufbewahren" von geschluckten Emotionen oder darum, ob man "etwas in sich hineingefressen" hat.

Der dritte und mit Abstand umfangreichste Teil ist derjenige, der die eigentlichen Krankheitsbilder beschreibt und deutet. Wer z.B. an Herz-Kreislauf-Problemen leidet, ist nicht flexibel genug, sich an Veränderungenm, den Kreislauf des Lebens und veränderte Lebenslagen anzupassen, und sollte sich deshalb dieser Veränderungen annehmen und sich mehr Zeit für die Anpassung an diese nehmen.

"Krankheit als Symbol" ist zwar ein umfassendes Handbuch, in dem man so gut wie jedes Krankheitsbild nachschlagen kann, es liefert aber keine ausführliche und konkrete Anleitung, die zur Heilung führt. Dazu liefert Dahlke weitere Literaturhinweise, meist zu seinen eigenen Veröffentlichungen. Man müsste also nochmal weiter in das Dahlke-Universum einsteigen, wenn man die erste Erkenntnis, die man durch dieses Nachschlagewerk gewonnen hat, weiterentwickeln und letztendlich auch gesund werden möchte.

Ruediger Dahlke ist sicher ein Mensch, Autor, Mediziner und Naturheilkundler, der die Gemüter spaltet. Die einen halten ihn für einen Esoteriker und belächeln seine Werke, die anderen schwören auf ihn und seine Methoden. Die Wahrheit liegt für diejenigen, die offen für alternative Ansätze in der Medizin und Lebensweise sind, sicher wie so oft in der Mitte. Die Schulmedizin, wie wir sie heute kennen, könnte um so vieles reicher werden, wenn sie sich für alternative Methoden, die zurückführen zum Menschen, seiner Seele und seinem Charakter und ihn als Wesen aus Seele UND Körper in den Mittelpunkt stellen, öffnen würde.

"Krankheit als Symbol" gibt zumindest denjenigen, die an mehr als nur der Behandlung von Symptomen interessiert sind, einen Anhaltspunkt, wie sie das Problem bei der Wurzel packen können. Und dieser Anhaltspunkt hat garantiert nichts mit der Einnahme von Tabletten und schnellen, aber nicht nachhaltigen Lösungen zu tun.

Sabine Mahnel 
26.06.2023

 
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Das Buch:

Ruediger Dahlke: Krankheit als Symbol. Handbuch der Psychosomatik und Integralen Medizin

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Mnchen: C. Bertelsmann Verlag 2023, 31. Auflage 860 S., 30,00 ISBN: 978-3-570-10521-4

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