Hrbcher

Auf der Suche nach Antworten

Rebecka ist jung, erfolgreich und mehr oder weniger gl?cklich verheiratet. Und dennoch steht sie am Abgrund - und nicht nur am sprichw?rtlichen. Rebecka begeht Selbstmord; sie springt in den Tod. Mit dieser Szene beginnt der neue Roman bzw. sein vertontes Pendant, das H?rbuch "Der Himmel so fern" der schwedischen Erfolgsautorin Kajsa Ingemarsson ("Das gro?e Gl?ck kommt nie allein", "Es ist nie zu sp?t f?r alles").

Was normalerweise ein denkbar schlechter Einstieg in einen Roman ist - denn die Heldin ist gleich zu Beginn tot - nimmt Ingemarsson als Ausgangspunkt f?r eine Suche nach Erkl?rungen. Rebeckas Mann Mikael ist schockiert ?ber den Selbstmord seiner Frau, denn er hat keinerlei Anzeichen daf?r bei ihr wahrgenommen. Keine unterschwelligen Hilferufe, keine depressiven Verstimmungen, nichts. Allerdings hat Rebecka auch nie besonders offen ?ber ihre Gef?hle und ihre Vergangenheit gesprochen. Verzweifelt sucht Mikael nun im Nachhinein im Gespr?ch mit Rebeckas Schwester, die sie - wie auch den Rest ihrer Familie - immer von ihm ferngehalten hatte, nach Antworten auf die immer gleiche Frage: "Warum?"

Im Laufe des H?rbuchs n?hert sich der H?rer schrittweise zusammen mit Mikael - gesprochen von Uve Teschner - der Beantwortung der offenen Fragen. Unterbrochen wird Mikaels Suche immer wieder durch Rebecka - gesprochen von Vera Teltz -, die als Ich-Erz?hlerin die verzweifelten Versuche ihres Ehemanns vom Himmel aus kommentiert und dem H?rer dabei selbst wichtige Puzzleteile liefert.

Im Himmel begegnet Rebecka nicht nur ihrem ganz pers?nlichen Himmelsbegleiter, dem "Engel" Arajan, sondern auch drei weiteren Personen, die k?rzlich verstorben sind: Birger, Waldemar und Anna. Die drei sind jedoch nicht freiwillig in den Tod gegangen wie Rebecka, sondern an Alkoholsucht, Krebs oder einem Herzinfarkt gestorben. Allen ist jedoch gemein, dass sie Probleme haben, ihren Tod zu akzeptieren und ihre Liebsten alleine auf der Erde zur?ckzulassen. Erstaunlicherweise kommt auch Rebecka, die den Tod f?r sich gew?hlt hat, nicht damit zurecht - eine f?r den H?rer zun?chst unerkl?rliche Situation, die sich im Verlauf der Geschichte zunehmend klarer gestaltet.

Den H?rer treibt genau wie Mikael der Drang, wissen zu wollen, warum Rebecka sich das Leben genommen hat, voran. Abwechslungsreich ist die Lesung, die leicht gek?rzt ist, durch die verschiedenen Sprecher und die Kunstfertigkeit von Vera Teltz, sowohl Rebecka als auch ihre Himmelsgef?hrten alle stimmlich zu charakterisieren und unterschiedlich darzustellen. In dieser Hinsicht ist das H?rbuch klar im Vorteil gegen?ber der Buchausgabe: Der Perspektivenwechsel gestaltet sich durch die beiden Sprecher und ihre schauspielerischen F?higkeiten eindrucksvoller und interessanter.

Mit Kajsa Ingemarsson ist auf dem deutschen Markt endlich auch einmal eine schwedische Autorin zu finden, die keine Krimis schreibt, sondern anspruchsvolle Frauenliteratur ohne den s??en Zuckerguss, wie man ihn nur zu gut aus den anglo-amerikanischen Romanen, der so genannten "Chick-Lit", kennt.

Sabine Mahnel
05.11.2012

 
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Das Buch:

Kajsa Ingemarsson: Der Himmel so fern. Aus dem Schwedischen von Stefanie Werner

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Sprecher: Vera Teltz, Uve Teschner, Gerrit Schmidt-Fo
Berlin: Argon Verlag 2012
Spielzeit: 382 Min., 19,95
ISBN: 978-3-8398-1183-2

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