Hrbcher

Reisen mit dem anderen Ich

Die Szenerie von Lissa Prices Debütroman "Starters" befördert Leser und Hörer in eine nicht allzu ferne Zukunft in ein Amerika, das nach einem Krieg nur noch von zwei Generationen bevölkert wird. Da wären zum einen die jungen und armen "Starters" und zum anderen die alten und reichen "Enders". Die mittlere Generation war während des Krieges durch einen Sporenangriff vollständig ausgelöscht worden. Aufgrund der vorherrschenden Kluft zwischen Arm und Reich vermieten die an der Armutsgrenze vegetierenden "Starters" ihre Körper für begrenzte Zeiträume an die in Saus und Braus lebenden "Enders".

Die US-amerikanische Schriftstellerin Lissa Price hat mit ihrem Debütroman ein Werk abgeliefert, das bezüglich des Genres als Dystopie eingeordnet werden kann. Bei einer Dystopie handelt es sich um eine fiktive Erzählung, die in der Zukunft spielt und dort einen anti-paradiesischen Zustand vorfindet. Berühmte Beispiele für Dystopien aus der Literatur- bzw. Filmgeschichte gibt es zuhauf. Neben Klassikern wie "1984" oder "Planet der Affen" hat mit "Die Tribute von Panem" in der jüngsten Vergangenheit ein Werk seinen Erfolgszug gefeiert, das ein ähnliches Szenario beherbergt wie "Starters".

Die Hauptfigur der Handlung ist die sechzehnjährige Callie, die gezeichnet vom Verlust ihrer Eltern zusammen mit ihrem Bruder Tyler und einem Freund das Leben nach dem Krieg mehr schlecht als recht bestreitet. Aus finanzieller Not begibt sie sich auf den Weg zu einer Body Bank namens "Prime Destination". Dort können junge Menschen ihren Körper für eine bestimmte Zeit an Ältere vermieten, indem einmalig ein Chip verpflanzt wird, der eine Entkoppelung von Gehirn und Körper und anschließend die gewünschte Vermietung ermöglicht.

Doch bei einem von Callies Mietsausflügen läuft etwas gehörig schief, so dass Callie an einem völlig fremden Ort wieder erwacht und fortan das Leben ihrer Mieterin lebt. Callie erleidet in der Folge noch einige weitere zeitliche Aussetzer, in denen Dinge passieren, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen. Nach und nach kommt Callie einer gefährlichen Sache auf die Spur, zu der Callies Körper von ihrer Mieterin verwendet werden soll. Callie ist fremdgesteuert und versucht verzweifelt, die Kontrolle über ihren Körper wiederzuerlangen. Welche Absichten hatte Callies Mieterin mit ihr geplant? Welche Rolle spielt dabei der dubiose Besitzer der Body Bank? Und was ist die wahre Intension der Body Bank?

Für die vorliegende Lesung wurde mit Annina Braunmiller eine Besetzung vorgenommen, die getrost als Volltreffer bezeichnet werden kann. Stimmlich passt sie perfekt zur Geschichte, ist insbesondere hervorragend auf die Protagonistin zugeschnitten und wirkt damit völlig glaubhaft. Dies mag natürlich damit einhergehen, dass man aufgrund von Braunmillers Vergangenheit als deutsche Synchronisationsstimme von Kristen Stewart alias Bella Swan in den Filmen der "Twilight"-Reihe automatisch eine gewisse Affinität zum fantastischen Genre und vor allem zur jungen Hauptdarstellerin empfinden mag.

Eine Empfehlung für alle Fans von "Die Tribute von Panem" und "Twillight"

In "Starters" ist eine neue Idee hervorragend umgesetzt worden. Eine futuristische und abgefahrene Story begeistert alle Zielgruppen von Jugendlichen an aufwärts. Zugrunde liegt ein Roman, dessen Sprache leicht verständlich gehalten ist, aber auch Erwachsene jeden Alters begeistern wird. Das Ziehen von Parallelen zu "Die Tribute von Panem" und der dortigen Heldin Katniss ist legitim und naheliegend, denn hier wie dort findet man mit Callie und Katniss jeweils starke Mädchen als Protagonistinnen vor, die den Widrigkeiten der jeweiligen Welt erfolgreich trotzen.

Lissa Price spiegelt in "Starters" aktuelle Gesellschaftsentwicklungen wider und treibt diese auf die Spitze. Demografische Schiefstände bezüglich der vorherrschenden Alterspyramide werden in nahezu allen bedeutenden Volkswirtschaften beklagt. Des Weiteren karikiert Price die Fokussierung auf Äußerlichkeiten dadurch, dass sich in "Starters" jeder seine perfekte Fassade aussuchen kann. Doch hat sie die zentrale Idee, dass alte Menschen den Jungbrunnen suchen, derart gelungen konzipiert, dass man sich unter Berücksichtigung des gegenwärtigen technologischen Fortschritts sehr gut vorstellen kann, dass genau diese Möglichkeiten eines nicht allzu fernen Tages realisierbar werden.

Da das Ende der vorliegenden Geschichte noch nicht alle Fragen in Gänze beantwortet und somit noch nicht ganz rund erscheint, darf man bereits jetzt gespannt auf die Fortsetzung warten, die von Lissa Price schon geplant und in Arbeit ist. Konsequenterweise trägt diese zumindest in der englischsprachige Originalausgabe den Titel "Enders". Gemäß Verlagsangaben ist die Veröffentlichung für Dezember 2012 geplant. Angaben zum Erscheinen der deutschen Übersetzung gibt es noch nicht, doch dürfte der Druck auf den Herausgeber diesbezüglich wachsen, da sich die Leser von "Starters" diese Fortsetzung intensiv herbeisehnen dürften.

Christoph Mahnel
02.04.2012

 
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Das Buch:

Lissa Price: Starters. Aus dem Amerikanischen von Birgit Ress-Bohusch

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Sprecherin: Annina Braunmiller
Hamburg: Osterwold Verlag 2012
Spielzeit: 450 Min., 19,95
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-86952-114-5

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