Bildbnde

Reise ins Wunderland

"Man sagt, das Meer sei kalt, aber das Meer beherbergt das heißeste, das wildeste und das inbrünstigste Blut überhaupt." - David Herbert Lawrence.  

Es ist nachweislich mehr über die näher liegenden Himmelskörper unseres Sonnensystems bekannt als über die Tiefen der Ozeane, die immerhin zwei Drittel der Erdoberfläche einnehmen. "Planet Meer - Reise in die Unterwasserwelt" könnte seinen Titel nicht treffender erhalten haben. Nach einer kurzen Einführung, durch die man als Leser einen Einblick in die Arbeit der "National Geographic Society" und der "IUCN - International Union for Conservation of Nature and Natural Resources" gewinnt und interessante Hintergrundinformationen zum Entstehen dieses Werkes bekommt, beginnt man eine Seite nach der anderen umzuschlagen.

Mal ist man fasziniert von der Farbpracht, in die Mutter Natur ihre Geschöpfe unter Wasser hüllt, oder auch von der Gerissenheit oder dem Erfindungsreichtum, mit denen sich jedes Lebewesen in den unersetzbaren Teil eines unsichtbaren Netzes verwandelt, um in einer lebensfeindlichen Umwelt überleben zu können. Bei einigen Bildern ist man weniger von der Natur an sich beeindruckt, sondern schlicht und ergreifend von der einzigartigen Ästhetik, derer sich der Fotograf bedient, um die Blicke des Betrachters auf seine Kunst zu bannen.

Es geht aber bei weitem nicht nur um Schönheit oder Außergewöhnlichkeit. Mittels verschiedener Erläuterungen, die durch Fotostrecken zusätzlich untermalt werden, werden physiologische Einzelheiten der verschiedenen Spezies verdeutlicht. Bei Seepferdchen zum Beispiel werden die Männchen "schwanger", eine Krake weiß erst während der Paarung um das Geschlecht seines Partners. Gegen Ende werden die beiden Fotografen Laurent Ballesta und Pierre Descamp vorgestellt, teilweise wird auch umrissen, welchen Problemen sie sich gegenübergestellt sahen und welche Gedanken und Wünsche sie mit diesem Werk verbinden.

Es wird auch eine weniger angenehme Tatsache teils visuell, teils textuell thematisiert: Umweltverschmutzung.

Vor dem Hintergrund der Eindrücke, die man im Laufe des Buches sammeln konnte, sollte sich hier das schlechte Gewissen melden. Es sollte, aber das tut es nicht. Die Vermittlung von Tatsachen geschieht so sanft, dass man nicht in die Täter-Rolle gedrängt wird. Auf diese Art und Weise geschieht dem Träumen beim Betrachten und Umblättern der Seiten keinen Abbruch. Diese Einflechtung ist keinesfalls anklagend, sondern eher mahnend. Zu einer umfassenden Beleuchtung eines Ökosystems gehören nämlich selbstverständlich auch die Gefahren, die dieses am meisten bedrohen.

Adam Vass
28.07.2008

 
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Das Buch:

Pierre Descamp, Laurent Ballesta: Planet Meer. Reise in die Unterwasserwelt

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Hamburg: National Geographic Deutschland 2007 84 S., 49,95 ISBN: 978-3-937-60689-7

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