Romane

Eine berauschende Liebeserklrung an die Poesie des Lebens

Das Dorf in Süditalien, in dem Isidoro Raggiola aufwächst, ist ein kleines Paradies. Die Pastagerichte von Mutter Stella zaubern dem Jungen ein Lächeln auf die Lippen. Und niemand schreibt lustigere Liebesbriefe als Vater Quirino. Eines Tages entdeckt Isidoro, dass er in der Sprache der Vögel pfeifen kann. Die ist musikalisch und fantasievoll; in ihr klingen die schönen Dinge schön. Eigentlich sollten alle Menschen so miteinander reden. Zehn Jahre vergehen in trauter Dreisamkeit. Isidoro und seine Eltern sind das, was man eine glückliche Familie nennt. Sie drei gegen den Rest der Welt - so scheint ihr Motto zu lauten. Doch dann, eines Tages, wird das Familienglück jäh zerstört. Die Erde erzittert und anschließend ist nichts mehr wie noch wenige Augenblicke zuvor.

Isidoros Eltern kommen bei dem Erdbeben ums Leben. Fortan ist der Junge auf sich allein gestellt. So plötzlich von seinen Eltern und von aller Welt im Stich gelassen, droht Isidoro an seinem Schmerz zu zerbrechen. Mit einem Mal scheint er sogar seine Sprache verloren zu haben. Stattdessen flüchtet er sich in Bücher. Diese bieten ihm eine Zuflucht vor der viel zu harten Realität. Wenn er liest, sind alle Sorgen vergessen. Und es ist, als wäre all das Unglück niemals geschehen. Aber irgendwann ist es wieder Zeit, in die Wirklichkeit zurückzukehren. Auch Isidoro muss sich dieser schon bald stellen. In Neapel begegnet er einem Menschen, der alles verändert. Nach dem Tod seiner geliebten Eltern sieht Isidoro endlich wieder so etwas wie einen Lichtstreif am Horizont ...

So gute Unterhaltung, wie man sie mit den Werken aus Enrico Ianniellos Feder in die Hand bekommt, findet man nur äußerst selten zwischen zwei Buchdeckeln. Aus diesen spricht die Liebe zum Leben. Darüber hinaus bringen sie ein wenig Magie in den Alltag des Lesers. "Das wundersame Leben des Isidoro Raggiola" wohnt ein ganz besonderer Zauber inne. Niemand vermag sich diesem zu entziehen. Und auch die Story an sich ist sehr, sehr fesselnd. Ab der ersten Seite nimmt diese einen vollkommen gefangen, selbst dann noch, wenn man längst beim letzten Satz angekommen und das Buch weggelegt ist. Ianniello lässt keinen unberührt. Selbst Männer werden beim Lesen Rotz und Wasser heulen. Denn hier gibt es Emotionen im Übermaß, aber auch jede Menge Humor und Originalität.

"Das wundersame Leben des Isidoro Raggiola" ist das Wunder von einer Geschichte - und außerdem eines der besten Debüts seit langer Zeit. Enrico Ianniello rührt den Leser zu Tränen. Ihm gelingt nämlich ohne jeden Zweifel Literatur zum Weinen schön. Mehr noch: Man liest die Romane des italienischen Autors und fühlt sich nach nur wenigen Seiten wie verliebt, einfach ganz schwindelig vor lauter Leseglück. Seufz!

Susann Fleischer
14.03.2016

 
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Das Buch:

Enrico Ianniello: Das wundersame Leben des Isidoro Raggiola. Aus dem Italienischen von Christiane von Bechtolsheim

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Mnchen: Piper Verlag 2016
272 S., 20,00
ISBN: 978-3-492-05690-8

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