Romane

Auf der Suche in der Grostadt

München, die Traumstadt. Wie lebt es ich in dieser Stadt? Marie Luise Rupprecht nähert sich dem Leben am Beispiel verschiedener Protagonisten, wie Ärzten, Professoren, Apotheken- und Arzthelferinnen. Wie sie in ihrem Vorwort vermerkt, sind es "viele interessante Artikel über die Erlebnisse des Lebens. Über Tag und Nacht. Von Montag bis Sonntag, einschließlich Feiertage".

Der Luxus der Stadt ist gegenwärtig, aber hinter den Wohnungstüren spielt sich der Alltag ab. Die Wohnungssituation ist schwierig. Da gibt es auch schreiende junge Leute, die mit der Erziehung der Kinder überfordert scheinen, und andere Bewohner, die sich von der Nachbarschaft gestört fühlen. Es ist die verzweifelte Suche nach Liebe, gegenständlich gemacht zum Beispiel an der Suche nach einem Buch, das nicht aufzufinden ist. Alle zehn Kapitel haben keine durchgängige Lösung parat, sind vielfältig wie das Leben. Da ist die kleine schlanke Frau, die immer an ihren Mann denkt, wenn er abwesend ist, ihn aber auch oft an seine Bergfreundin erinnert, und damit an eine Beziehung, die angeblich lange beendet ist.

In der Beschreibung eines Ausfluges an die Isar und Schilderungen von Frühjahrsstimmungen im Mai werden Naturerlebnisse lebendig. In "Eine Reise nach Ägypten" verlässt die Autorin die Großstadt, um sich in der Wüste an der Schönheit eines attraktiven jungen Mannes zu ergötzen. Aber bald holt sie die Realität wieder ein. Ein versuchter Autokauf, den sie meint über eine Annonce tätigen zu können, scheitert. Noch einmal kreisen in der Geschichte "Am Berg" die Gedanken um die Bewerbung um eine neue Anstellung, die Suche einer Arbeitsstelle gestaltet sich schwierig. Die junge Frau folgt einer Einladung zum Vorstellungsgespräch an die Universität.

Abschließend widmet sich die Autorin noch einmal der Wohnungssituation, als sie schildert, wie der Großvater sich bemüht, für den Enkel einen eingerichteten Wohnraum zu organisieren. "Lila Flieder" endet mit der Bemerkung: "Ein Tag geht zur Neige". Diese symbolhafte Feststellung kann aber zugleich wie eine Aufforderung verstanden werden. "Neue Welt, es geht weiter. Ich suche eine Brille, eine Brille für den Anfang, für eine neue Sicht", heißt es in der Geschichte "Im Mai". Wird es gelingen, in der Stadt München mit ihrem Flair ein glückliches, erfülltes Leben in Liebe und Harmonie zu führen? Die Beantwortung dieser Frage bleibt offen, immanent aber ist das Bestreben, sich seinen Platz im Leben zu sichern, vor allem auch an der Seite eines geliebten Partners, und die Suche nie aufzugeben.

Dr. Helga Miesch
16.12.2013

 
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Das Buch:

Marie Luise Rupprecht: Lila Flieder

Frankfurt: August von Goethe Literaturverlag 2013
56 S., 9,80
ISBN: 978-3-8372-1334-8

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