Romane

Geschichte eines Getrnkehndlers

Gesoffen wird nicht, wie bei Charles Bukowski gesoffen wurde. Es wird getrunken, wie bei Bukowski getrunken wurde. Henri Quast, Hauptfigur in Rainer Klis Buch "Laus im Pelz" kippt einiges hinter die Binde.

Gut, dass der Schriftsteller nicht vom Schreiben gelassen hat wie viele seiner Kollegen, die nach der DDR als Autoren abtauchten. Klis fiel auf, als er in den Achtzigern des Vorjahrhunderts mit seinen Kurzgeschichten erschien, die an die Kahlschlag-Literatur des Westens erinnerte, die bei den Schreibern im Osten nie angekommen war. Rainer Klis ist sich treu geblieben. Er ist, wie zu Beginn, strikt im Bemühen, mit der Sprache Strukturen des Erzählens zu schaffen. Sie bestimmen die Art seiner literarischen Bücher. Egal, ob sie als Erzählung oder Roman etikettiert werden.

Vor vier Jahrzehnten wäre das 134-Seiten-Buch "Laus im Pelz" als Kurz-Roman annonciert worden. Gesagt war damit nur, dass auf die Leser kein dicker Wälzer abgewälzt wird. Wahrlich beruhigend! Ist es nun beruhigend, dass auch für den neuen Klis keine Wochen benötigt werden? Kann man so sagen, wenn das Buch an einem späten Abend begonnen und in der frühen Nacht beendet wird. Um dann festzustellen: Schade, dass schon Schluss ist! Um dann zu sagen: Das musst du nochmal lesen! Es ist zu wenig, nur die Geschichte von "Laus im Pelz" gelesen zu haben. Die ist Unterhaltungskino. Geblickt wird auf eine Ecke des Mittelstands und das, was früher Kleinbürgertum genannt wurde. In einem Satz zusammengefasst: Erzählt wird die Geschichte eines Getränkehändlers. Was an der erzählenswert ist? Der Abstieg des Getränkehändlers, der in einem Minimarkt landet. Wie es dazu kommt? Das ist nicht das Wesentliche. Wie es auch nicht wesentlich ist, von Henri Quast zu erfahren: "Er hatte Fehler verzapft, wie andere, nur seine waren unkorrigierbar". Wieso die Fehler aufzählen? Wieso sie schildern? Eine Andeutung kann und muss genügen. Klis muss nichts ausführen, weil er auf den Leser, den zweiten Autor eines Buches, vertraut. Ein Autor, der die Leser animiert, auf eigenen Pfaden der Phantasie zu wandeln, liebt die Leser. Er ist, im besten Sinne, mit ihnen im Bunde. Und das immer augenzwinkernd. Verstehste! Merkste was? Wer versteht, wer was merkt, liest mehr als schwarz auf weiß gedruckt ist. Das macht den vergnüglichen Roman zu einem Vergnügen.

Der Schriftsteller überrascht mit knapper, bisweilen lakonischer Sprache mit Erwartetem und Unerwartetem. Mal ist man bestätigt, mal perplex. Wie die Personen, die kaum durch Handlungen beeindrucken, sondern durch lapidare Dialoge, in denen Handlung ist oder die abrupt Handlungen wenden. So zu schildern ist jenseits des tradierten linearen Erzählens. Rainer Klis ist kein modischer, er ist ein moderner Erzähler, der keinen neuen Modernismus kreiert. Ihm ist wichtig wie geschrieben wird. Um das Wie des Schreibens, um die assoziative Art des Erzählens des Autors müssen sich die Leser kümmern. Zumindest, wenn sie wissen wollen, wie der Roman nicht zu einem beliebigen, unterhaltenden Roman geworden ist. Fernab jeglicher Trivialliteratur ist "Laus im Pelz" ein Unterhaltungsroman. Rainer Klis ist ein vorzüglicher Erzähler, der für Kurzweil sorgt. Geistvoll und gemütvoll schreibt er für Geist und Gemüt und macht sich so die Leser gefügig, die gern gut unterhalten sein wollen. Noch ein Wunsch? Das nächste Buch!

Bernd Heimberger
26.04.2011

 
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Das Buch:

Rainer Klis: Laus im Pelz

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Leipzig: Plttner Verlag 2011
134 S., 14,90
ISBN: 978-3-86211-018-6

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