Romane

Ein Manifest der Beat Generation

Es gibt wahrlich nicht viele Bücher, die man als Jungspund mit ebensolch großer Hingabe und Begeisterung liest wie als alternder Greis, der in seinem Leben schon viel gesehen und erlebt hat. Zu den wenigen Ausnahmen zählt wohl "On the Road" (dt. "Unterwegs") des US-amerikanischen Ausnahmeautors Jack Kerouac. Im Jahre 1957 erschien der Roman, der bis zum heutigen Tage als einer der wichtigsten Texte der Beat Generation gilt. Wie beim Titel nicht anders zu erwarten, erwartet die Leser hier ein literarisches Roadmovie der ersten Güte, das mit Eindrücken von Land und Leuten zu überzeugen weiß. Dabei war der Weg bis zur Fertigstellung des Manuskripts für Kerouac ein recht steiniger.

Getippt auf einer Papierrolle von knapp 40 Metern Länge hält Kerouac seine Gedanken und Gefühle fest, um dem Leser etwas vom rauschhaften und ekstatischen Lebensgefühl seiner Generation zu vermitteln - ohne selbst in Erscheinung zu treten. In der 1957 erschienenen Ausgabe wird die Geschichte des jungen Schriftstellers Sal Paradise erzählt, der mit Freund Dean Moriarty eine Reise quer durch die Staaten antritt. Erst später offenbart sich die Wahrheit von "On the Road". So versteckt sich hinter Sal der Autor persönlich, die Figur Dean Moriarty entspricht Neal Cassady, Carlo Marx ist Allen Ginsberg, Old Bull Lee ist William S. Burroughs - um nur die Wichtigsten zu nennen. In der hier vorliegenden Urfassung liest man die Geschichte so, wie Kerouac sie beabsichtigt hat.

Kurz nach der Trennung von seiner Frau lernt Kerouac Neal Cassady kennen und beschließt, mit ihm auf eine Reise quer durch Nordamerika zu gehen. Sie trampen, springen auf Güterzüge, fahren mit Greyhound-Bussen, auf LKW-Pritschen oder mit gestohlenen Autos durch die Lande und landen dabei unter anderem in New York City, Chicago, Denver, Kalifornien, New Orleans und schließlich Mexiko, stets geprägt von Bebop, Jazz, Drogen und Ekstase. Nach ihrer Rückkehr in die heimischen Gefilde trennen sich die zwei Abenteurer, um sich ein Jahr später zum zweiten Mal auf den Weg zu machen. Diesmal allerdings geht es nicht um Sex, Drugs´n´Jazz, sondern um die Suche nach der Frau des Lebens und dem magischen Zauber des Augenblicks. Als Kerouac auf ihrer Reise in Mexiko schwer erkrankt, wird er von Neal schmählich in Stich gelassen. Doch während Kerouac genest und in New York ein Mädchen findet, wird Neal zum tragischen Helden des modernen Amerikas.

Wenn man ein Werk als zeitlos bezeichnen kann, dann wohl einzig "On the Road" von Jack Kerouac. Der 576-seitige Roman gilt seit über 40 Jahren als Manifest der Beat Generation, das aufgrund seines schnellen Sprachrhythmus und seines Bildreichtums heute wie damals zu Amerikas Exportschlagern zählt. Man befindet sich während des Lesens in einem rauschartigen Zustand, der einzig durch eine Droge ausgelöst wird: Kerouacs Sprachstil, der in seiner Kraft ein echtes Unikat ist. Ein wahrlich unerreichtes Meisterwerk, das seinesgleichen sucht.

Susann Fleischer
29.11.2010

 
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Das Buch:

Jack Kerouac: On the Road. Die Urfassung. Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach

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Reinbek: Rowohlt Verlag 2010
576 S., 24,95
ISBN: 978-3-498-03550-1

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