Romane

Ein interessanter und unvergleichlich origineller Einblick in die Sowjetunion der 1950er

Juri Zipit hat nicht unbedingt das große Los gezogen. Er ist sechseinviertel Jahre alt, als ein Milchwagen ihn von hinten überfährt, durch die Luft fliegen lässt, bis er auf den Boden geknallt bin, kopfvoran aufs Kopfsteinpflaster. Dann kam hinterrücks die Straßenbahn und ist über ihn rüber. So was hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Juri ist nicht mehr ganz dicht im Kopf. Aber das macht nichts. Er schummelt sich irgendwie durchs Leben, sogar recht erfolgreich. Mit zwölf gerät der Junge ins Räderwerk der Geschichte: Er verbringt ein paar Wochen in der Datscha von Josef Petrowitsch, auch bekannt als Stalin, Diktator der Sowjetunion von 1927 bis 1953. Juri wird dessen Vertrauter und Vorkoster erster Klasse. Er soll, natürlich streng im Geheimen, für den Generalsekretär spionieren.

Dank seines lieben Gesichts erzählt jeder Juri ungefragt sofort seine Geheimnisse. Der Junge weiß dieses Wissen für seine Zwecke durchaus zu nutzen. Doch retten kann es ihn kaum. Stalin wird das Opfer eines Mordanschlags. Er wird vergiftet und stirbt schließlich. Juri findet sich kurz darauf im Gefängnis wieder. In der Zelle nebenan sitzt sein Vater, einst ein angesehener Veterinärmediziner und Direktor eines Zoos, ein. Er ist den Mächtigen in die Quere gekommen, wie vor vielen Jahren auch Juris Mutter. Die soll ihr Dasein angeblich in einem Arbeitslager fristen. Juri droht ein ähnliches Schicksal. Aber er ist, trotz eines unterdurchschnittlichen IQs, ein Überlebenskünstler. Um nicht so zu enden, wie Tausende schon vor ihm, braucht Juri einen Plan, noch dazu ein ziemlich guten ...

Ein Lesegenuss von größter Seltenheit - ein Buch wie "Guten Morgen, Genosse Elefant" kriegt man nicht alle Tage in die Hände. Christopher Wilson beherrscht die Erzählkunst auf höchstem Niveau. Er schreibt geradezu virtuos. So meisterlich wie nur wenige seiner Zunft verwebt er Fakten und Fiktion zu einem (Historien-)Erlebnis ohnegleichen. Seine Werke, unbedingt auch das vorliegende, gehören in jedes Bücherregal. Diese sind nämlich ein absolutes Lesehighlight, das uns zum Strahlen bringt. Der englische Autor sorgt für Spaß, Spaß, Spaß weit jenseits des Mainstreams. Ab dem ersten Satz seiner Romane ist einem ganz schwindelig ob solch unschlagbar genialer Unterhaltung. Man will fortan seine Lesenachmittage, -wochenenden und -abende mit nichts anderem mehr verbringen als einen Wilson zu lesen.

Während der Lektüre von "Guten Morgen, Genosse Elefant" lacht und weint man gleichzeitig vor schönstem Leseglück. Christopher Wilson gelingt ein Vergnügen, das selbst ein Jonas Jonasson kaum amüsanter sowie geistreicher hätte schreiben können. Die Story erfreut den Leser über alle Maßen, und das viele, viele Stunden lang. Langeweile? Hier garantiert mit keinem Satz. Denn dank des Briten erfährt man Literatur als Wundertüte voller Emotionen, spritzigem Humor, Charme und noch mehr Überraschungen. Besser geht´s definitiv nicht!

Susann Fleischer
01.10.2018

 
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Das Buch:

Christopher Wilson: Guten Morgen, Genosse Elefant. Aus dem Englischen von Bernhard Robben

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Kln: Kiepenheuer & Witsch 2018
272 S., 19,00
ISBN: 978-3-462-05076-9

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