Romane

Literatur , die mehr als amsanten Lesespa ber viele , viele Stunden macht

Es ist Herbst in einer Großstadt: Das letzte, unsanierte Haus in der Hebelstraße wird "leergewohnt". Einzig Karl Kramer, 55 Jahre alt, Hausmeister, Elisabeth Buttkies, 72, Deutschlehrerin a.D., und Jersey, 28 Jahre, Studentin in Teilzeit mit Chardonnay-Problem, sind noch übrig. Die drei könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Welt vor der Tür meint es nicht immer gut mit ihnen, so glauben sie. Weshalb sie drinnen ihre Wunden pflegen und Narben streicheln. Jersey, eigentlich Marina Weber, sieht die Uni meistens nur von außen. In einem Hörsaal hat sie schon länger nicht mehr gesessen. Ihr einziger Freund ist Katze Major Tom. Nach dem Tod ihrer Mutter versucht sie ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Leichter gedacht als getan.

Das muss auch Karl Kramer einsehen. Seinen Job als Logistiker macht inzwischen eine Software. Er taumelt von einer Jobcenter-Maßnahme zur nächsten. Karl hat aufgegeben. Nichts scheint noch einen Sinn zu haben bzw. fast nichts. Für "seine" Erika würde er kämpfen. Die allerdings genießt das Leben eines Luxusweibchens, dank eines Privatiers an ihrer Seite. Ein Happy End für Karl rückt plötzlich in weite Ferne. Von solch einem träumt Elisabeth Buttkies seit einer halben Ewigkeit nicht mehr. Sie ist der Hausdrache. Sie kann ziemlich Feuer speien. Dann liegt bei allen dreien ein Brief des neuen Hauseigentümers im Postkasten: Auszug. Kernsanierung. Endgültig. Der Kampf der Bewohner um ihr vermeintlich letztes Stückchen "Ich" beginnt.

Man verbarrikadiert sich, Wasser und Strom werden abgestellt, Katzen vergiftet und Perücken abgefackelt - fast ist es zu spät, doch dann schließen sich "die Letzten" zusammen. Die drei Erzfeinde werfen sich gemeinsam in die Abwehrschlacht. Von jemandem wie Thomas Grube lassen sie sich doch nicht in die Knie zwingen. Oder etwa doch?! Was Karl, Elisabeth und Jersey nicht ahnen: Sie sind nicht allein. Jemand versucht, ihnen zu helfen und das Geschehen zu beeinflussen. Am Ende blühen die Geranien wieder. Es ist Frühling. Drei sind glücklich. Und einer ist tot ...

Unterhaltung, die Leserherzen wild hüpfen lässt - und zwar hoch und höher. Ohne Madeleine Prahs und ihre Romane wären viele, viele Nachmittage, Abende und Wochenenden um einiges trister und öder. Denn mit diesen kommt jede Menge Humor in unser aller Leben. "Die Letzten" ist randgefüllt mit (Wort-)Witz, Originalität und Emotionen. Langeweile? Hier garantiert zu keiner Lesesekunde. Die deutsche Autorin erfreut ihre Leser über alle Maßen. Ihre Werke lassen selbst der größten Laus auf der Leber nicht einmal den Hauch einer Chance. Zwischen zwei Buchdeckeln findet man eine wunderbare Tragikomödie über Mieten und Miezen, über Hoffnung, Mord und abgefackelte Perücken, geschrieben mit erzählerischer Verve und hinreißender Komik.

Die Geschichten aus Madeleine Prahs´ Feder machen Lesespaß der amüsantesten Sorte. Außerdem wird einem von diesen ganz schwindelig vor lauter Leseglück und noch mehr -begeisterung. "Die Letzten" bedeutet Literatur zum Niederknien gut. Die Story bringt einfach jeden zum Strahlen. Hier erfährt man nämlich ein Lesevergnügen, da so gut ist, dass es einen glatt umhaut. Was man hier in die Hände kriegt, ist alles andere als Mainstream.

Susann Fleischer
25.09.2017

 
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Das Buch:

Madeleine Prahs: Die Letzten

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Mnchen: dtv 2017
304 S., 21,00
ISBN: 978-3-423-28134-8

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