Krimis & Thriller

Ein musikhistorischer Thriller

Ein zehnj?hriger Junge wird 1940 Zeuge eines schrecklichen Vorfalls auf einem franz?sischen Schloss, als der Wehrmachtssoldat und Violinist Gustav Schultz vor Hitler und anderen Nazi-Gr??en wie Ribbentrop und Keitel ein St?ck Salomone Rossis zum besten gibt und anschlie?end nach einem Wutausbruch Hitlers f?r sein Spiel exekutiert wird. F?nfzig Jahre sp?ter ist dieser Alphonse de Morillon, inzwischen ein Kardinal in Rom, bei einem Konzert des Violinvirtuosen Gal Knobel in Venedig zugegen. Bei der Darbietung eben dieses f?r Schultz fatalen St?cks von Rossi kehren die Erinnerungen bei de Morillon zur?ck und veranlassen ihn, die Wahrheit ?ber diesen unerkl?rlichen Vorfall herauszufinden, der f?nfzig Jahre lang sein Leben ?berschattet und beeinflusst hat. Gal Knobel und der Kardinal geraten in der Folgezeit bei ihren Recherchen rund um die Hintergr?nde des Mordes an Schultz in einen lebensbedrohlichen Sog von Ereignissen. Peu ? peu erhalten sie dar?ber hinaus eine Ahnung, dass es sich hierbei noch um eine viel gr??ere Verschw?rung handeln k?nnte, um einen musikhistorischen Skandal zwischen Rossi und dem ber?hmten Komponisten Claudio Monteverdi - ein Zusammenhang, dessen Aufkl?rung die katholische Kirche nicht zulassen darf.

Der Leser wie auch die beiden Protagonisten Knobel und de Morillon fragen sich allerdings, was die beiden Ereignisse aus dem 17. Jahrhundert und von 1940 miteinander zu tun haben k?nnten. Was hat Hitler derart in Rage gebracht, dass er Schultz? Geige zertr?mmert hat, Schultz hat exekutieren lassen und ganz nebenbei eine m?gliche Allianz mit den Amerikanern fahrl?ssig aufs Spiel gesetzt hat? Knobels Gedanken kreisen derart wild um diese Fragen, da er mehrfach in h?chster Lebensgefahr den Atem der ihm unbekannten Gegner im Nacken sp?rt.

Igal Shamir pr?sentiert dem Leser einen Plot auf verschiedenen zeitlichen Ebenen, der viele ungel?ste Fragen und R?tsel beinhaltet. Allm?hlich kristallisieren sich die komplexen Zusammenh?nge heraus, in die Mossad, Vatikan und eine Organisation von Alt-Nazis verwickelt sind. Shamir gelingt die meisterliche Konstruktion eines Spannungsbogens ?ber knapp 300 Seiten hinweg, der die Anspannung beim Leser ins Unermessliche wachsen l?sst. Doch leider leidet die Aufl?sung des Ganzen ein wenig unter allzu pl?tzlich geschehenden Zuf?llen und rasch abgehandelten Erkl?rungen der Zusammenh?nge auf den letzten 50 Seiten. Nichtsdestotrotz muss man dem Autor zugute halten, dass keine Frage offen bleibt und sich die Bedenken des Lesers ?ber die m?glichen Zusammenh?nge am Ende verfl?chtigen.

Shamirs "Le violon d?Hitler" war in Frankreich ein gro?er Erfolg, so dass zwei Jahre sp?ter die deutsche ?bersetzung und das Erscheinen im Wiener Zsolnay-Verlag nur folgerichtig sind. Der geschichtsinteressierte Leser wird bei seinen Recherchen nach den historischen Personen des
17. Jahrhunderts wie Monteverdi und Rossi auf viele belegte Tatsachen treffen, die Shamir in das vorliegende Buch eingebaut hat.

"Hitlers Violine" ist ein gelungener Mix, der ein musikhistorisches Mysterium, eine Romanze zwischen zwei Mossad-Agenten und einen unges?hnten und unaufgekl?rten Mord von Nazi-Schergen im besetzten Frankreich gelungen miteinander verkn?pft. Shamir gibt dabei Einblicke in seine musikalische Expertise, z.B. ?ber die verschiedenen Arten des Geigenspiels, und paart diese mit einem Schreibstil, der vor Spannung nur so strotzt. Dies ist kein Wunder, da er als renommierter Geiger unter anderem auch an der im Buch vorkommenden Schola Cantorum in Paris t?tig war. Mit der Wahl von Zeit und Ort im vorliegenden Buch hat er au?erdem die perfekte Grundlage f?r eine spannende Geschichte geschaffen: Sowohl der Zweite Weltkrieg als auch die Archive des Vatikans und in Florenz b?rgen als Garant f?r ein h?chst lesenswertes Buch. Dabei sei die Empfehlung gegeben, dass es sich f?r dieses Werk definitiv lohnt, zwei oder drei Abende zu reservieren, an denen man sich ungest?rt dem Lesevergn?gen hingeben kann.

Christoph Mahnel
16.08.2010

 
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Das Buch:

Igal Shamir: Hitlers Violine. Aus dem Franzsischen von Anja Lazarowicz

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Wien: Zsolnay Verlag 2010
348 S., 19,90
ISBN: 978-3-552-05520-9

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