Kinder- & Jugendbcher

Wenn hier das Ende des Meeres ist , wo ist dann der Anfang?

Eine Ameise und ein Elefant - zwei Freunde, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Doch beide plagt das gleiche Problem: Obwohl die eine klein und der andere recht groß ist, so können doch beide das Ende des Meeres nicht sehen. Viele Tränen werden vergossen, bis schließlich die Ameise die Idee hat, auf den Rücken des Elefanten zu steigen, der seinerseits auf eine Palme klettern soll - schließlich ist man gemeinsam noch ein bisschen größer! Aber es ist immer noch nichts zu sehen und so wird das Meer durch die Tränen der beiden noch ein bisschen salziger. Erst das Hinzukommen eines Thunfischs verändert - zumindest fürs Erste -  die Denkweise der beiden Trauernden. So lernen sie, dass aus der Perspektive des Thunfischs genau an diesem Strand das Meer zu Ende ist. Natürlich tut sich durch diese Erkenntnis ein neues Problem auf, denn wenn hier das Ende des Meeres ist, wo ist dann der Anfang?

Mit dieser philosophisch anmutenden Frage wird der Leser am Ende des Buches alleine gelassen, denn natürlich gibt es keine Antwort für Elefant und Ameise. So bleibt man nachdenklich zurück und erkennt, es kommt eben auf die unterschiedliche Sichtweise an. Somit ist die kurze Handlung dieses Bilderbuchs auf viele Situationen des alltäglichen Lebens übertragbar und bietet auch für Kindergruppen eine gute Gesprächsgrundlage. Schließlich kann man auch stundenlang über die Frage nach dem halbvollen und halbleeren Glas debattieren und wird doch auf keinen einheitlichen Nenner kommen. So ist das Leben und so ist diese mitten aus dem Leben gegriffene Geschichte, die allerdings einen Anfang hat - schließlich haben die Gedanken der kleinen Ameise irgendwo ihren Beginn. Ein Ende gibt es jedoch wirklich nicht, so wie es auch keine wirkliche Antwort auf bestimmte Fragen gibt.

Ein sehr poetisches Bilderbuch mit Illustrationen, die mit wenigen Farbtönen auskommen und dadurch stets die Protagonisten im Mittelpunkt stehen lassen. Ein Bilderbuch, das eine gewisse Nachdenklichkeit und auch Traurigkeit hinterlässt - auch wenn man am Ende der Geschichte zunächst einmal erleichtert ist, dass Ameise und Elefant zumindest für kurze Zeit wieder lächeln können. Ob sich allerdings Kindern der tiefere Sinn dieser Geschichte auf Anhieb erschließen wird, bleibt zu bezweifeln!

Claudia Birk-Gehrke
08.09.2008

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Andrej Usatschow: Geschichte ohne Ende und Anfang. Mit Illustrationen von Alexandra Junge. Aus dem Russischen von Simone Peil

CMS_IMGTITLE[1]

Zrich: NordSd Verlag 2008
32 S., 12,95
ab 4 Jahren
ISBN: 978-3-314-01582-3

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.