Gedichtbnde

Will mir schreiben ein Gedicht ...

Die Autorin ordnet 61 Gedichte den Rubriken "Das kleine Glück", "Abschied", "Lieder zur Nacht" und "Jahreszeiten" zu. Ihre Gedichte sind meistens gereimt, obwohl einige Reime durch Enjambements verschleiert sind. Die lyrische Reise führt u.a. zum "Brunnen im Park", zur "Ode an den Schmetterling", zum "Mondhimmel", in die "Geträumte Welt" und zum "Kleinen Glück", das heranweht und uns ab und zu auch trifft und uns ins Paradies entführt.

Zahlreiche Gedichte sind der Liebe gewidmet, auch zu verstorbenen Familienmitgliedern, so zum Beispiel:

An meinen Bruder

Aus den Tränen, die mir fließen
Trauerschwarze Flut,
Mögen tausend Blumen sprießen,
Ach, das wäre gut!

Zaghaft gehen meine Schritte, 
Bruder, zu dir hin.
Suchen nach des Lebens Mitte
Und des Todes Sinn.

Will dir frohe Lieder singen,
Schnürt's die Kehle zu:
Deine Seele hebt die Schwingen
fliegt der Sonne zu.

Christine Paulys Gedichte sind einfühlsam, liebevoll und poetisch eindringlich. Sie kommen aber dennoch leicht und luftig daher und überraschen immer wieder durch ein gekonntes Ende. Die Lyrikerin schafft mit ihren Gedichten poetische Gebilde von besonderer Schönheit. Das Meer, der Mond und die Liebe werden zu beruhigenden Fluchtpunkten in einer immer hektischer werdenden Welt.

In ihrer "Ode an den Schmetterling" dichtet sie:
Sommerliches Schwingen
und die Vögel singen,
Falter tanz‘ dazu!

Nachdenklich wird sie in ihrem Gedicht "Zeit":
Ich liege da und denk zurück:
Mein Leben war so schön, so lang.
Und dennoch geht es Stück um Stück
Vorbei - als großes und als kleines Glück.

Voller Poesie eröffnet sie einen jahreszeitlichen Reigen, besingt den vogelvollen Frühling, schwärmt von einem herrlichen Herbsttag und beendet ihn mit dem weihnachtlichen Gedicht "Vorfreude":

Herbsttag

Diese Fülle! Diese Farben!
Dieser satte Sonnenschein!
Ich kann die Schönheit nicht erfassen -
Meine Augen sind zu klein.

Darum öffne Herz und Sinne.
Deine Augen mache weit!
Pflücke, was der Herbst verschwendet:
letzte Sommerseligkeit.

Vorfreude

Hängen Kerzen an den Bäumen,
Dann ist Weihnacht nicht mehr weit,
und wir fangen an zu träumen
Von der Lichterseligkeit!

Christine Paulys Gedichte sind ein erholsamer und erfreulicher Gegenentwurf zur ubiquitären Kakophonie moderner Gedichte, die meist mehr verwirren als beglücken.

Manfred Enderle
15.09.2014

 
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Das Buch:

Christine Pauly: Will mir schreiben ein Gedicht

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Frankfurt: August von Goethe Literaturverlag 2014
78 S., 10,80
ISBN: 978-3-8372-1459-8

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