Medien & Gesellschaft

Wer ist hier der Underdog ...?

Eine große Stärke der Komödie war es schon zu Aristoteles' Zeiten, der oberen Schicht den Spiegel vorzuhalten und mit den Mitteln der Satire und der Ironie gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen. Das erklärt den Titel des Buches, "Underdog Comedies", denn eine Komödie im heutigen, ausschließlich auf Unterhaltung ausgerichteten Sinn ist das Buch streng genommen nicht. Was jedoch keine negativen Rückschlüsse auf den Unterhaltungswert desselben zulässt - ganz im Gegenteil: "Underdog Comedies" ist eine herrlich schön zu lesende und beschwingte Bestandsaufnahme einer Gesellschaft, die den Wert ihrer Mitglieder nur allzu oft an den Berufen misst, den diese ausüben. Und hier kommt ein Gedankengang ins Spiel, der das Buch maßgeblich prägt: Ist ein Mensch wirklich immer danach zu beurteilen, welche Bildung und welchen Beruf er hat? Sicher, man neigt dazu, es genau so zu sehen - und könnte falscher nicht liegen.

Der Autor Martin Kari selbst hat eine außerordentlich interessante Biographie vorzuweisen: Ursprünglich als transsilvanischer Flüchtling nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland aufgewachsen, zog es ihn in seinem Leben über vier Kontinente, unter anderem für längere Zeit nach Südafrika und schließlich nach Australien, wo er seit mehr als dreißig Jahren mit seiner Familie lebt. Solch ein Leben ist zweifellos reich an Erfahrung mit den verschiedensten Menschen, und das merkt man dem Text an: Es ist wirklich interessant mitzufühlen, mit welch scharfen Blick, guter Beobachtungsgabe und Empathie uns der Autor hier in die scheinbar verschiedensten Welten führt: Zehn verschiedene Berufe und gesellschaftliche Stellungen nimmt Kari hier ins Visier - und aufs Korn.

Vom Bettler bis zum König wird jeder anhand eines typischen Tages beleuchtet, privat als auch beruflich, und dabei wird vor allem eins deutlich: Egal welche Stellung und welcher Beruf, ob arm oder reich - letztendlich sind wir doch alle gleich. Man will doch einfach nur leben. Und das möglichst frei und selbstbestimmt. Aber das Leben wird uns nicht immer leichtgemacht. So würde man z.B. einen König in einer beneidenswerteren Lage schätzen als einen Bettler. Im Grunde stimmt das natürlich, und dennoch - wenn man sich einmal damit auseinandersetzt, welche Verpflichtungen und Regeln das Leben des einen und welche Freiheit und Unabhängigkeit das des anderen bestimmen, stellt man sich ganz schnell die Frage, wer hier überhaupt der Underdog ist.

Diese Erkenntnis ist per se nicht neu - und doch: Warum ist es im alltäglichen Leben so, dass viele nur allzu oft einem Müllmann mit weniger Respekt begegnen als einem Arzt, dass man einen Anwalt mehr wertschätzt als einen Klempner? Abhängig sind wir letztendlich von allen, deren Dienste wir in Anspruch nehmen (müssen). Und die Leute, die ihre Berufe ausüben, haben in der Regel den Anspruch an sich selbst, ihre Sache gut zu machen, denn das ist es doch, was eine der größten Gemeinsamkeiten aller Menschen ist. Wenn man das erkennen möchte, muss man lediglich aus seinem "Glashaus" herauskommen und die Augen offenhalten dafür, was andere Menschen täglich leisten - oder als Anfang dieses Buch lesen.

Gerrit Koehler
25.11.2013

 

WHO  IS  HERE  THE  UNDERDOG ...?

Around the time of Aristotles (Greek philosopher 384-322 B.C.) the comedy had already its significance by holding the mirror to the higher society with satires as well as ironies in order to develop an awareness towards the social evils.

The book-title of "Underdog Comedies" also explains this, but asks for a prerequisite in an understanding that it doesn't necessarily serve an easy entertainment. This however doesn't allow to draw negative conclusions on the book's entertainment value, on the contrary: "Underdog Comedies" is a great reading experience with a lively inventory on our society, which too often judges people only on professional activities. This exactly inspires a train of thoughts in this book: Should education and work stand for a person's evaluation? Indeed, we tend to see it that way - but cannot be more mistaken at the same time.

The author Martin Kari can look back onto an extraordinary life: He originates from Transylvania. As a child-refugee he grew up in Germany after World War II. During his life the author worked and lived on four continents amongst which South Africa was one country. Australia finally became the home for his family since 1981. Such a life with people from all walks of life nurtures without doubt an abundance of experience and the writing reflects on it: You turn really sympathetic towards the author's close inspection, his power of observation as well as empathy that introduces us in seemingly different worlds. He sets his sights on ten different professions in conjunction with their social-standing and draws a bead on them.

Everybody from the beggar to the king receives attention to an ordinary private as well as professional day, whereby it becomes predominantly clear: No matter what position and profession somebody holds, whether that of a poor or rich - in the end we are all equal. Everybody simply wishes to live and this largely free with self-determination. On the other hand as we all experience, life cannot be only easy.

We tend for instance to envy a king more than a beggar. Generally speaking, this has substance, and yet, if we look that bit closer, we can find out how commitments and regulations affect the life of one in comparison to the freedom and independence of the other person in question - than the question arises, who is here the "Underdog" at all ?

As this understanding is nothing new, the question still remains: Why in a daily life we too often practice less respect towards a "garbo" than to a doctor and a solicitor is regarded higher than a plumber ? We depend in reality on all of them when it comes to the need of their services. What matters in the end is that everybody exercises also in his/her profession the best of his/her ability which renders everybody equal on a common ground. To recognize this, everybody has to come out of his/her "glasshouse" and open the eyes towards what other people achieve daily - or begin reading this book.

Gerrit Koehler 
25.11.2013

 
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Das Buch:

Martin Kari: Underdog Comedies

Frankfurt am Main: August Von Goethe Literaturverlag 2013
243 S., 18,80
ISBN: 978-3-8372-1324-9

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