Medien & Gesellschaft

Die antike Frau: Ehefrau , Mutter oder Liebesgttin

Wandmalereien, Skulpturen, Schmuckst?cke, Vasen und andere Gef??e sind oft die einzigen Anhaltspunkte, die Arch?ologen aus vergangenen Zeiten geblieben sind und anhand derer sie das Leben, das die Menschen vor vielen Hunderten und Tausenden von Jahren f?hrten, zu rekonstruieren versuchen. Jenifer Neils, Professorin f?r Kunstgeschichte in Cleveland, Ohio, und Vizepr?sidentin des Amerikanischen Arch?ologischen Instituts hat in ihrem Band "Die Frau in der Antike" genau dies getan. Sie hat anhand von Frauendarstellungen auf Vasen, Wandmalereien, anhand von Skulpturen und Grabbeigaben ein Gesamtbild der Stellung der Frau in der antiken Gesellschaft gezeichnet.

Wie ein roter Faden ziehen sich die drei gel?ufigsten Frauenbilder durch das Buch: Ehefrau, Mutter und Liebesg?ttin. Die Darstellung der Sex- oder Liebesg?ttin ist eine der ?ltesten Darstellungen, die bis in das Jahr 25.000 v. Chr. zur?ckgeht. W?hrend Frauen in der Steinzeit vor dem Aufkommen von Viehzucht und Ackerbau M?nnern h?ufig gleichgestellt waren und aufgrund ihrer Aufgaben (Geb?ren und Aufzucht der Nachkommen) unter Umst?nden auch als ein wenig ?berlegen galten, ?nderte sich diese gesellschaftliche Stellung dramatisch in den Kulturen des Alten Roms und Griechenlands. Frauen galten als schwach, emotional, unkontrolliert, seelenlos und seien laut Aristoteles "verst?mmelte" M?nner. In ?gypten hingegen genossen Frauen zur selben Zeit weitaus mehr Rechte als ihre Geschlechtsgenossinnen auf der anderen Seite des Mittelmeers.

Als Ehefrau war die Aufgabe einer Frau in der Antike klar definiert: Nicht nur war es das h?chste Ziel einer Frau zu heiraten, sie hatte nach der Hochzeit auch noch das Geb?ren m?glichst vieler Nachkommen - vorz?glich m?nnlichen Geschlechts - zu bew?ltigen. Als Ehefrau definierte sich jede Frau in der ?ffentlichkeit ausschlie?lich ?ber ihren Mann. Im h?uslichen Bereich wurden ihr mehr Rechte zugestanden; sie galt als Vorsteherin des Haushalts und befehligte Bedienstete, richtete Feste aus und sorgte f?r ein gem?tliches Zuhause.

Frauen, die nicht der Oberschicht angeh?rten und sich ihren Lebensunterhalt verdienen mussten, sah man h?ufig in der Lebensmittel- und Textilproduktion, als Hebamme oder Amme, als T?nzerin oder Prostituierte. W?hrend es schwieriger ist, die Lebensgewohnheiten von Frauen der unteren Gesellschaftsschichten nachzuvollziehen, gestaltet sich die Forschung bei Frauen der Oberschicht oder so bekannten weiblichen Pers?nlichkeiten wie Kleopatra oder Livia, der Frau des Augustus, weitaus einfacher, da sie vermehrt auf Reliefs dargestellt wurden und sie im ?ffentlichen Leben pr?sent waren.

Neben der beruflichen Situation der antiken Frau schildert Jenifer Neils auch die religi?sen Gewohnheiten der Frau und ihre Sch?nheitspflege. Wie auch bei der modernen Frau geh?rten das Herausputzen, die K?rperenthaarung, das Parf?mieren und das Schminken zum Alltag der antiken Frau. Sie schm?ckte sich mit Per?cken, Halsketten, Ohrringen und h?bschen Kleidern - nicht mehr und nicht weniger als Frauen unserer heutigen Gesellschaft auch.

Da viele dieser Erkenntnisse auf Untersuchungen arch?ologischer Funde beruhen, ist es nur logisch, dass diese Fundst?cke auch in Form von zahlreichen farbigen Abbildungen in diesem Buch pr?sentiert werden. Die Mischung aus Text und Bebilderung h?lt sich ungef?hr die Waage: Egal, ob doppelseitige oder kleinere im laufenden Text integrierte Abbildungen - jede einzelne Seite ist bebildert. Zeittafeln und Glossar helfen bei der Einordnung der beschriebenen Zeitr?ume und dem Verst?ndnis der Fachbegriffe, die sich jedoch in Grenzen halten und den Lesefluss nicht behindern. Wer nach einem rasanten und informativen Ritt durch gut 5000 Jahre Zeitgeschichte Lust auf vertiefendes Lesen eines einzelnen Aspektes oder einer Epoche bekommen hat, kann sich Anregungen dazu in den weiterf?hrenden Literaturhinweisen holen.

Sabine Mahnel
08.10.2012

 
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Das Buch:

Jenifer Neils: Die Frau in der Antike. Aus dem Englischen von Bettina von Stockfleth

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Stuttgart: Theiss Verlag 2012
216 S., 29,95
ISBN: 978-3-8062-2678-2

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