Biographie

Rivalinnen bis zum Tode

Ende des 18. Jahrhundert schrieb Friedrich Schiller sein Drama "Maria Stuart". Thematisiert wird die seit Generationen herrschende Rivalität Englands (dargestellt durch die amtierende Königin Elizabeth I.) und Schottlands (vertreten durch die vertriebene Königin Maria Stuart). Maria sieht sich als rechtmäßige Nachfolgerin Elizabeths auf dem englischen Thron. Aus diesem Grunde wird sie gefangen genommen und muss künftig um ihr Leben bangen. Die in diesem Drama inszenierte Problematik beruht auf den Lebensgeschichten beider Königinnen, die sich als Monarchinnen beweisen müssen. Interessant sind hierbei sowohl die Parallelen als auch Unterschiede beider Biographien. Einen ausführlichen Einblick gibt das Buch "Krone und Schafott. Maria Stuart und Elisabeth I. Eine Doppelbiographie" von Sylvia Jurewitz-Freischmidt.

Den Mittelpunkt dieses Buches bilden die beiden britischen Herrscherinnen Elizabeth I. und Maria Stuart, beginnend mit dem Zeitpunkt kurz vor ihrer Geburt und endend mit dem Tod beider. Die Lebensgeschichten dieser Monarchinnen beginnen grundverschieden. Maria Stuart gilt als legitime Nachfolgerin ihres Vaters James V., welcher der Neffe Heinrich des VIII. von England ist. Seine Schwester hat zuvor den schottischen Thronfolger geheiratet. Maria tritt als Einjährige die Nachfolge ihres Vaters an und folgt ihm auf dem Thron Schottlands. Allerdings geht sie unter anderem aus Gründen der Bildung nach Frankreich. Im Jahre 1558 heiratet sie den zukünftigen König Frankreichs. Doch angesichts seines frühen Todes beschließt Maria, zurück nach Schottland zu gehen und dort ihren Herrschaftsanspruch als "Queen of Scots" durchzusetzen, ihr Land und ihre Untertanen zu rekatholisieren, die nun zumeist Anhänger der reformierten "Kirk" sind. Die sieben Jahre ihrer Regentschaft sind geprägt durch vielerlei Aufstände, Taktierungen und Ängsten um ihr Leben. Nach der Ermordung ihres zweiten Ehemanns Henry Stewart, auch bekannt als Lord Darnley, heiratet sie ihren womöglich treuesten Anhänger James Hepburn, Earl of Bothwell. Doch diese Verbindung führt zum Sturz Marias und deren unumgängliche Flucht nach England. Dort wird sie allerdings gefangen gesetzt und schließlich im Jahre 1587 auf dem Schafott hingerichtet.

Ganz anders hingegen gestaltet sich das Leben der englischen Thronfolgerin Elizabeth I. Sie gilt in der katholischen Welt als Bastard Heinrichs VIII. mit Anne Boleyn, die wegen angeblichen Ehebruchs geköpft wird. Aus dieser Vergangenheit heraus hat sie nach Ansicht des Papstes und anderer katholischer Herrscher Europas (so unter anderem der französische König, der Maria als Königin Englands proklamiert) kein Anrecht auf den Thron. Bereits in ihrer Kindheit muss sie ständig um ihr Leben fürchten, bis sie schließlich 1558, nach dem Tod ihrer Halbschwester Maria I. Tudor, Staatsoberhaupt Englands wird. Elizabeth ist fortan Oberhaupt der von ihrem Vater gegründeten anglikanischen Kirche, die protestantisch geprägt ist. Allerdings strebt sie eine Toleranzpolitik zwischen Protestanten und Katholiken an. Nicht nur in dieser Angelegenheit betätigt sie sich als Vorreiterin, sondern sie etabliert England als Seemacht und kulturelles Zentrum (geprägt durch die berühmten Dramatiker William Shakespeare und Christopher Marlowe). Elizabeth I. geht als "Virgin Queen" in die Geschichte ein.

Obwohl beide Herrscherinnen grundverschieden sind (Maria Stuart ist katholisch und Elizabeth I. protestantisch; Maria ist insgesamt dreimal verheiratet, während Elizabeth nie einen Mann ehelicht; Maria greift eher durch, während Elizabeth eine Verzögerungstaktik verfolgt), müssen sie sich als weibliche Herrscherinnen auf dem europäischen Polit-Parkett bewähren. Dabei haben sie nicht nur Freunde um sich herum, sondern ziehen sich auch Feinde zu. Aber letztendlich gehen sie als großartige Herrscherinnen in die Weltgeschichte ein.

Jurewitz-Freischmidt zeigt mit ihrem Buch ein detailliertes Bild dieser beiden Regentinnen, die ihrer Zeit weit voraus waren. Dabei werden alle wichtigen Ereignisse von Beginn bis Ende beider Königinnen ganz genau auf- und nachgezeichnet. Doch nicht nur deren Leben wird mit all seinen Vorkommnissen und Besonderheiten wiedergegeben, sondern auch das ihrer Anhänger und auch Feinde. So gibt es eine Fülle von Namen und englischen/schottischen Titeln. Zwar gibt es am Ende des Buches eine Stammtafel, die verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Tudors (die Herrscher Englands) und den Stuarts (die Herrscher Schottlands) aufzeigen, doch wäre ein Glossar gleichfalls wünschenswert gewesen. Auf diese Weise wären die vielen Informationen diverser Nebenpersonen besser verständlich. Deutlich erkennbar ist die ständige Rivalität beider Königinnen, die Jurewitz-Freischmidt an vielen Stellen anhaltend hervorhebt. Sie macht den Zugang zu diesen zwei Persönlichkeiten leichter und verleitet dazu, Näheres über die damalige Zeit erfahren zu wollen. Das Buch ist für jene leichter zu verstehen, die sich mit der Problematik schon auf dem einen oder anderen Wege beschäftigt haben und denen aus diesem Grunde die agierenden Personen bereits geläufig sind. Für andere empfiehlt sich ein schrittweises Herangehen, um alles genau verstehen zu können.

Susann Fleischer
24.11.2008

 
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Das Buch:

Sylvia Jurewitz-Freischmidt: Krone und Schafott. Maria Stuart und Elisabeth I. Eine Doppelbiographie

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Gernsbach: Casimir Katz Verlag 2008
488 S., 24,80
ISBN: 978-3-938047-39-2

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