Hörbücher
Jan Weiler auf neuen Literaturpfaden; und dabei besser als jemals zuvor
Eigentlich wollte Leonard Beck Schauspieler werden, aber hat es "nur" zum Dramaturg geschafft. Ein Beruf mit unsicherer Zukunft, wie er erkennen muss. Er wird freigestellt, weil er sich nicht genug ausprobiert. Da kommt ihn ein Brief seiner Mutter nicht gerade ungelegen, der ihn nach Jahren zurückruft an den Niederrhein: Ein Haus steht zum Verkauf. Und obwohl dieses Haus keine guten Erinnerungen weckt, zieht es ihn magisch an. Leonard reist in die Heimat und damit in seine Vergangenheit. Leonard erinnert sich an seine Zeit als Zivildienstleistender, als er im "Vogelhaus" ein und aus ging. Damals rätselten er und die anderen, von welchen Geheimnisse die drei Aras wussten. War ihr Besitzer womöglich ein Mörder? Warum sonst hätte dieser so seltsam verhalten sollen. Und vielleicht auch der Grund, warum Leonard nie ins Obergeschoss durfte.
Er trifft auf Menschen, die ihm einst wichtig waren. Und immer wieder steht er vor dem unscheinbaren Haus, dessen Geheimnis er damals nicht lüften konnte. Jetzt aber will er ihm auf die Spur kommen, stellt sich endlich seinen Ängsten - und macht dabei Entdeckungen fürs Leben. Auch so manche Überraschung wartet auf Leonard in der alten Heimat. Am Ende findet er nicht nur zu sich selbst, sondern auch wieder Zugang zu seinen Eltern, jedenfalls zu seiner Mutter. Auch erkennt er, dass eine Rückkehr nicht zwangsläufig ein Schritt zurück sein muss. Vielmehr ein Ankerpunkt, von dem aus neue Abenteuer zu machen sind und damit auch Entdeckungen, die ihm durch die Höhen, vor allem aber Tiefen des Lebens helfen könnten ...
Literatur, die es unbedingt als Droge geben sollte - was Jan Weiler schreibt (und gerne auch einspricht), hinterlässt bei Leser und Zuhörer eine angenehmste Gänsehaut am ganzen Körper. Da merkt man (fast) gar nicht, wie die zehn Stunden Spielzeit von "Das Vogelhaus" vergehen; nämlich leider viel, viel zu schnell. Die Story hätte noch mindestens einhundert Seiten mehr haben dürfen. Es ist nämlich eine, mit der man sich wohl und eingekuschelt fühlt; trotz nicht weniger trauriger Momente in dieser. Weiler ist jedoch nicht nur ein Weltklasse-Autor, dessen Werke regelmäßig in den Bestsellerlisten zu finden sind, sondern auch als Interpret seiner Geschichten einsame Spitze. Die des vorliegenden Hörbuchs begeistert einen über alle Maßen. Gefühle waren einem nie so nah wie bei Weilers Lesung(en). Als würde man die seiner Protagonisten selbst miterleben.
Dass Jan Weiler die Audioversion von "Das Vogelhaus" selbst eingesprochen hat, macht das Vergnügen nur umso amüsanter, berührender und grandioser. Von nichts lässt man sich lieber, außerdem besser berauschen als von seinen Lesungen. Und kaum etwas anderes macht einen schwindeliger vor lauter Hörglück! Dieses hält noch lange nach den zehn Stunden Laufzeit an. Was das Vergnügen nur umso größer sowie schöner werden lässt.
Susann Fleischer
26.10.2026
