Romane

Packende Tragödie, vielschichtiges Gesellschaftsporträt und eine leidenschaftliche Anklage gegen Unmenschlichkeit und Machtmissbrauch

Victor Hugo war keine 30 Jahre alt, als sein Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" erschien. Im Mittelpunkt steht die aufwändig geschilderte Kathedrale Notre-Dame de Paris. In ihr spielen die wichtigsten Teile der Romanhandlung, vor allem das Geschehen um die Gestalt des Quasimodo, des Glöckners von Notre-Dame. Der französische Schriftsteller Alphonse de Lamartine hat Victor Hugo nach Erscheinen des Romans als "Shakespeare des Romans" gefeiert. Knapp 200 Jahre später veröffentlicht der Berliner Insel Verlag den Klassiker in einer besonders hübschen Ausgabe und macht ihm der Leserschaft von heute wieder zugänglich. In jeder gut, aber auch schlecht sortierten Heimbibliothek sollte das Buch zu finden sein. Um dieses kommt man definitiv nicht herum!

In den lebhaften Straßen des mittelalterlichen Paris und im Schatten der mächtigen Kathedrale Notre-Dame entspinnt sich ein romantisch-düsteres Drama um Begehren, Eifersucht, religiösen Wahn und soziale Ausgrenzung. Es geht um den entstellten Glöckner Quasimodo, die ebenso begehrte wie mitfühlende Tänzerin Esmeralda und den fanatischen Erzdiakon Frollo. Als Esmeralda der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt wird, versucht Quasimodo, sie in den Türmen von Notre-Dame in Sicherheit zu bringen - doch Frollos Obsession treibt die Ereignisse unaufhaltsam in die Katastrophe. Denn sein Herz entbrennt für Esmeralda, als er ihr zum ersten Mal begegnet. Und plötzlich ist er hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen zu Esmeralda und seinem kirchlichen Gelübde.

Als Esmeralda ihm unmissverständlich zu verstehen gibt, dass sie ihn hasst, liefert Frollo sie lieber dem Galgen aus, als dass ein anderer mit ihr zusammenkommen dürfe. Das uneheliche Kind eines französischen Freudenmädchens aus Reims ist von großer Schönheit. Mit den Roma zieht sie von Stadt zu Stadt und macht eines Tages Halt in Paris. Es ist zur Doppelfeier des Dreikönigsfestes und des Narrentages am 6. Januar des Jahres 1482, als Frollo Esmeralda erstmals erblickt. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf. Esmeralda verliebt sich in den Hauptmann Phoebus, der von Frollo aus Eifersucht niedergestochen wird. Doch Phoebus überlebt schwerverletzt. Für Esmeralda ein Grund, ihre Jungfräulichkeit an Phoebus zu verschenken. Ohne von seinem wahren Charakter zu ahnen.

Frollo muss seinen Plan ändern und will sie hängen sehen. Ein durch Folter erzwungenes, falsches Geständnis liefert Esmeralda dem Gottesurteil aus. Sie muss sterben. Es sei denn, es geschieht noch ein Wunder; zum Beispiel in Gestalt von Quasimodo. Tatsächlich gelingt es ihm, sie am Tag der Hinrichtung zu retten und vorübergehend Kirchenasyl in Notre-Dame für die Verehrte zu ermöglichen. Dort lebt sie beschützt vor Claude Frollo und entwickelt eine gewisse Zuneigung für den entstellten Quasimodo. Doch der Frieden ist nur ein vermeintlicher und hält nicht lange. Die Ereignisse spitzen sich zu, bis die Tragödie nicht mehr aufzuhalten ist ...

Literatur, die in keinem Bücherregal fehlen darf - jedes Werk aus Victor Hugos Feder gehört von möglichst vielen Menschen gelesen. Denn diese sind noch nie dagewesene Meisterwerke der Erzählkunst. Einfach nicht zu übertreffen! Mit entsprechend heftig klopfendem Herzen gibt man sich der Lektüre von "Der Glöckner von Notre-Dame" hin. Diese ist fesselnd, berührend und fraglos etwas ganz Besonderes. Eben Unterhaltung von höchster Qualität! Sich deren Anziehungskraft zu entziehen, ist schier unmöglich. Hugo hat einen zeitlosen Klassiker über Ausgrenzung und Mut geschrieben und begeisterte damit unzählige Leser*innen weltweit. Chapeau ob seines Könnens! Es ist unvergleichlich schön, anmutig, geradezu poetisch. Oder anders: zum Niederknien grandios!

Regelrecht atem- und sprachlos ist man, wenn man nur die ersten Sätze eines Romans von Victor Hugo gelesen hat. Von "Der Glöckner von Notre-Dame" bekommt man partout nicht genug. Denn die Story bietet alles, was ein Leser*innenherz sich nur wünschen kann; vor allem aber Belletristik in ihrer besten Form. In diese verliert man sich mit allen Sinnen und bekommt von der Welt um sich herum während der Lektüre nichts mehr mit. Es zählt einzig und allein dieser Genuss. Das ist einer ist, ist ohne jeden Zweifel!

Susann Fleischer 
26.10.2026

 

Das Buch:

Victor Hugo: Der Glöckner von Notre-Dame. Aus dem Französischen von Else von Schorn

CMS_IMGTITLE[1]

Berlin: Insel Verlag 2026 663 S., € 16,00 ISBN: 978-3-458-64664-8

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.