Romane

Ein historischer Roman, der so anders ist als Mainstream und nicht nur deshalb absolut lesenswert(voll)

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Frankfurt am Main, im April 1822: Die wohlhabende Kaufmannstochter Julie wünscht sich eine gemeinsame Zukunft mit dem Pferdeknecht Carl. Ein schwieriges Unterfangen, denn der sieht sich seit längerem im fernen Südamerika. Dort warten auf ihn Freiheit und die Chance, etwas aus sich zu machen. So wie es vielen anderen vor ihm bereits gelungen ist.

Der britische General Gregor MacGregor "(behauptet), das Land 'Poyais', wie er die Moskitoküste jetzt (nennt), habe sich unter seiner Herrschaft als 'Gregor I.', Souveräner Fürst von Poyais und 'Kazike' des Poyaisvolkes, zu einem blühenden Staatswesen entwickelt. Es habe eine große Hauptstadt mit Schloss, Parlamentsgebäude, Opernhaus, Kathedrale und modernen Hafenanlagen. Im Land gebe es reiche Goldvorkommen und fruchtbaren Boden für Neusiedler." (Quelle: Wikipedia)

Mit dem festen Glauben, in Poyais sein Glück zu finden, begibt sich Carl allein auf eine gefährliche Reise um die halbe Welt. Während Julie von ihren Eltern zu einer arrangierten Ehe gedrängt wird. Als diese sich weigert, schiebt man sie in ein Kloster ab. Allerdings kann Julie aus ihrem Gefängnis nach London flüchten, wo bereits ein Schiff über den Atlantischen Ozean auf sie wartet. Im Irrglauben auf ein neues Leben begibt sich die junge Frau an Bord und wird schon bald mit ihrer Naivität konfrontiert.

Das Paradies erweist sich nämlich als Hölle. Die Neue Welt ist voller Gefahren und Probleme: Die Einheimischen können die aus Europa Ankommenden kaum versorgen, Krankheiten fordern unzählige Menschenleben. Es ist ein ständiger Kampf. Julie aber ist gewillt, diesen zu gewinnen; mit Carl an ihrer Seite. Ein Trugschluss?

In einem zweiten Handlungsstrang erleben zwei junge irische Soldaten den Hochstapler Gregor MacGregor als jungen Mann und Helden der südamerikanischen Befreiungskriege. Erklärt sein Leben als Kriegsheld und Eroberer seine Ambitionen zum Herrscher eines eigenen Staates?

Unter den Neuerscheinungen dieser Jahre ist Uli Aechtners "Poyais - Ein Land, das es nie gab" eines der Highlights; und zwar nicht nur, weil die Story großartig erzählt ist, sondern auch, weil sie sich von der Masse so wohltuend abhebt. Es ist (eine) Geschichte zum Hautnah- Miterleben, so als wäre man tatsächlich dabei. Hier erfährt man eine Lektürereise, wie man solch eine im Bücherregal äußerst selten findet. Die deutsche Journalistin ist ein Schriftstellertalent, von dem man unbedingt noch ganz viel lesen möchte.

Die Autorin Uli Aechtner verarbeitete für "Poyais - Ein Land, das es nie gab" zahlreiche historische Quellen, die bis heute erhalten sind: das Siedlerhandbuch, das Auswanderer nach Poyais locken sollte, der Bericht eines Tischlers, der Poyais überlebte, sowie die Tendenzschrift eines Admirals, dessen Bruder unter dem Kommando von MacGregor starb. Geschichte - spannend als Roman erzählt.

Susann Fleischer
05.10.2026

 

Das Buch:

Uli Aechtner: Poyais - Ein Land, das es nie gab

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Köln: Emons Verlag 2026 448 S., € 20,00 ISBN: 978-3-7408-2589-8

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