Kinder- & Jugendbücher
Fünf Millionen für die Wahrheit
Der Student Philipp und die Kellnerin Tessa gelangen beide in den Besitz einer Münze, die sich als Einladung in ein simples Spiel offenbart. Schaffst du es als letzter von 100 Teilnehmern, ausschließlich die Wahrheit zu sagen, gewinnst du fünf Millionen Euro. Lügst du allerdings, bist du raus und musst deinen schlimmsten Albtraum durchleben.
Im Alltag nicht lügen zu dürfen, stellt sich allerdings als schwerer heraus, als man denkt. So kann jede Nettigkeit oder kleine Unwahrheit das Ende des Spiels bedeuten. Und dann stellt Scandor, so heißt der Lügendetektor, der einen die ganze Zeit in Form einer Microchipfolie auf dem Arm klebend begleitet, nämlich auch noch unangenehme Aufgaben, von denen manche zu besonders unbehaglichen und auch gefährlichen Fragen führen.
Ursula Poznanski ist bekannt für ihre rasanten Psychothriller sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene. Dies beweist sie auch mit ihrem neuesten Jugendthriller "Scandor", jedoch bringt sie bei diesem neuesten Buch auch eine angenehme amüsante Note mit ins Spiel. Denn soziale Situationen, in denen man nicht lügen darf, können mitunter irritierend, aber auch lustig sein. So ist eine der Aufgaben, die Philipp meistern muss, dass er mit Kindern an einer Bushaltestelle eine Unterhaltung führen soll. Verständlicherweise sind diese Kinder eher abgeneigt, sich grundlos mit einem unbekannten Studenten an einer Bushaltestelle zu unterhalten.
Für Tessa stellt vor allem der Beruf ein Hindernis dar. Als Kellnerin nicht lügen zu dürfen, wenn es um die alltäglichen Höflichkeitsunterhaltungen geht, führt für sie letztendlich zur Kündigung.
Natürlich kann "Scandor" mehr bieten als Amüsement und nimmt Poznanski-typisch ab der Hälfte ordentlich Fahrt auf. Es stellt sich heraus, dass die Teilnehmerauswahl für das Experiment nicht ganz zufällig getroffen wurde. Ein Ereignis aus der Vergangenheit spielt dabei eine zentrale Rolle.
Für Poznanski-Fans ist "Scandor" zwar ein Roman mit typischen Merkmalen ihrer Schreibkunst, jedoch bringt sie diesmal ein neues Element mit hinein in ihre altbewährte Formel; nämlich eine gewisse Leichtigkeit und Unterhaltung, die vor allem den ersten Teil des Buches prägen. Nach "Oracle" ein willkommenes Comeback ihres Erfolgsrezepts!
Lucian Mahnel
14.10.2024
