Romane

Auf Entdeckungsfahrt in die Vergangenheit

Der Roman "Der Jakobsmuschelbrunnen" zählt nur gut 90 Seiten. Aber dieses Werk von Rose Milla weist eine gut geschlossene Form auf. Es breitet zwischen Prolog und Epilog eine Geschichte aus, von der eine eigene Faszination ausgeht. Geschrieben ist der Roman in der Ich-Form, wobei die Erzählerin den Namen Laura trägt. 

Die Form des Prologs erlaubt eine Rückblende, weil hier eine Hypnose dargestellt wird, in der die Psychiaterin Reilly die junge Laura befragt. Es sollte nicht die einzige Hypnose sein. Augenfälliges Zentrum dieser aus dem Unterbewusstsein geschöpften Erinnerung ist ein Jakobsmuschelbrunnen, ein Brunnen also, der das Muster der Jakobsmuschel aufnimmt. 

Eine Muschel fördert Erkenntnisse zutage und im vorliegenden Roman ist sie der Schlüssel zu einer Entdeckung, deren Urgründe weit zurückliegen. Zunächst ist von den USA die Rede, wohin Laura mit ihrem Mann Leo 1998 gezogen war. Im gleichen Jahr kam ihr erstes Kind zur Welt. Drei Jahre später folgte das zweite Kind, aber ihr Mann wurde ein Opfer des Anschlags auf das World Trade Center, und das brachte den Gang der Dinge völlig durcheinander -verständlicherweise. Laura kehrte in die österreichische Heimat zurück, wo indessen zum Trauma des 11. Septembers 2001 ein anderes kam, ein viel älteres, wie sich zeigte. Genau hier, unweit von Salzburg, stand der Jakobsmuschelbrunnen, und hier waren Dinge geschehen, die es ins Bewusstsein hervorzuholen galt. 

Ein Armband führt auf dem Weg ins Erinnern und Bewusstmachen. Und dieses Armband war auch wichtig. Rose Milla beschreibt den Weg seit Leos tragischem Tod als Achterbahn, auf der sich sehr viel ereignet - auch ein Selbstmord, auch eine hartnäckige Suche nach Vorgängen früherer Zeiten.

In diesem Roman wird eine anschauliche Sprache gepflegt, die den Leser auf verständliche Weise nach vorne führt. Nach und nach enthüllt sich die Wahrheit, so wie am Jaskobsmuschelbrunnen immer wieder frisches Wasser nachfließt. Es hätte auch der römische Brunnen sein können, über den Conrad Ferdinand Meyer sein berühmtes Gedicht verfasst hatte.

Alle diese Wechselbäder macht der Leser mit, und er entdeckt nicht so rasch, wo die Geschichte hinaus will. Das macht das Bändchen überaus reizvoll und spannend. Es ist ein Buch, das man gerne in die Ferien mitnimmt, weil es der Gegenwart entrinnen will, aber so gut zur Wirklichkeit hinführt. Es ist eine hübsch gereihte Entdeckungsfahrt, die in die Vergangenheit und gleichzeitig in die wahre Gegenwart führt.

Ronald Roggen 
18.03.2013  

 
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Das Buch:

Rose Milla: Der Jakobsmuschelbrunnen

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2013
92 S., 11,80
ISBN: 978-3-8372-1194-8

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