Biographie

Homer , Hannibal und Hitchcock

Wer gr?ndete die Anglikanische Kirche? Wer hielt die T?rken vor Wien auf? Wer gilt als Wegbereiter des Internets? Diese Fragen k?nnten gut und gerne aus der letzten Sendung von "Wer wird Million?r?" stammen, sind jedoch dem vorliegenden Buch entnommen: Helge Hesse pr?sentiert in "Barbarossa, Botticelli und die Beatles" ein Potpourri der bedeutendsten Personen aus den vergangenen f?nf Jahrtausenden. Dabei fokussiert er sich nicht nur auf die Protagonisten der Weltgeschichte, sondern stellt - wie bereits die Alliteration im Titel neben seinem Sinn f?r sprachliche Sch?nheit verr?t - die wichtigsten Vertreter aus Politik, Wissenschaft sowie Kunst und Kultur gleichgewichtet dar. Heinrich VIII., Karl V. und Tim Berners-Lee sind ?brigens die korrekten Antworten auf die drei obigen Fragen. 

Das Buch beginnt mit einem Aha-Erlebnis im wahrsten Sinne des Wortes. Das erste Kapitel ist dem ersten ?gyptischen Pharao namens Aha gewidmet, dem es um 3000 v.Chr. gelungen war, Ober- und Unter?gypten zu vereinen. In knapp 300 Kapiteln werden im vorliegenden Buch meist Einzelpersonen vorgestellt, aber auch vereinzelt Gruppen wie die ber?hmte Liverpooler Popgruppe aus dem Buchtitel oder Br?derpaare wie die Herren Wright und Gracchus. Die Beschreibungen erfolgen kurz und b?ndig und erstrecken sich meist ?ber etwas mehr als eine Buchseite. Hesse hat dabei eine B?ndelung in zwanzig Oberkapitel vorgenommen. Diese chronologische Einteilung erfolgt gem?? geschichtlicher Epochen, wodurch die letzten f?nftausend Jahre der Menschheitsgeschichte systematisch abgedeckt worden sind. 

Helge Hesse ist eine vortreffliche Selektion gelungen. Neben den gesetzten Kandidaten und ?blichen Verd?chtigen hat er einige Personen ausgew?hlt, bei denen der Leser anerkennend den Kopf nicken wird. Auch Jesus von Nazareth findet seinen Eintrag im vorliegenden Buch, obgleich seine historische Existenz nicht nachgewiesen ist. Seine Bedeutung f?r die Menschheit steht nat?rlich au?er Zweifel. 

Im Vorwort macht Hesse bereits deutlich, dass es seine Absicht war, die eurozentrische Sichtweise aufbrechen zu wollen. Dass dieser Vorsatz erfolgreich umgesetzt worden ist, wird dem Leser beim St?bern in "Barbarossa, Botticelli und die Beatles" schnell offensichtlich. Oder wer kann aus dem Stegreif etwas ?ber Chanakya oder Ashoka erz?hlen? Beide lebten und wirkten ?brigens im dritten vorchristlichen Jahrhundert in Indien. 

Dennoch finden sich naturgem?? f?r einige Epochen gewisse Ballungen, so z.B. in der Antike f?r ?gypten, Griechenland und Rom. F?r letzteres ?berrascht Hesse allerdings in seiner Auswahl mit der Sequenz Cicero, Caesar, Augustus und Vitruv. Selbst der kundige Leser wird sich fragen, wer denn Vitruv war? Vitruv war weder Feldherr, Kaiser noch Redner, sondern ein r?mischer Ingenieur und Architekt, der mit seinem Faible f?r wohlgeformte Proportionen den Goldenen Schnitt pr?feriert hat. In eben diesem Kapitel vernetzt Hesse seine Ausf?hrungen ?ber Vitruv mit drei weiteren Personen aus anderen Epochen: Euklid, der die geometrischen Grundlagen gelegt hat, Fibonacci, der die mathematische Entsprechung entdeckt hat, und Leonardo da Vinci, dessen Bild vom Proportionsschema des wohlgeformten Menschen jedermann bekannt ist. 

Genau durch diese zahlreichen zu entdeckenden Querverbindungen zwischen den unterschiedlichen Personen und Epochen unterscheidet sich "Barbarossa, Botticelli und die Beatles" von einem reinen Personenlexikon. Dennoch fordert es kein stringentes Studium vom Leser, sondern l?dt vielmehr dazu ein, vor- und zur?ckzubl?ttern, nach seinen pers?nlichen Favoriten zu schauen oder neugierig bei denjenigen Halt zu machen, die man nicht kennt, um Wissensl?cken zu schlie?en. Hesse erweitert unterhaltsam das Welt- und Geschichtsbild des Lesers und liefert Anst??e f?r tiefergehende Recherchen. Hilfreich dabei ist dem Leser das ausf?hrliche, sich im Anhang befindliche Literaturverzeichnis, das ausreichende Quellen f?r einmal gewecktes Interesse bereith?lt. 

Christoph Mahnel 
22.08.2011

 
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Das Buch:

Helge Hesse: Barbarossa, Botticelli und die Beatles. Das Who is who der Welt- und Kulturgeschichte

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Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2011
397 S., 19,95
ISBN: 978-3-82186-537-9

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