Erzhlbnde & Kurzprosa

Lasst Tiere sprechen

Wir sind alle Tierfreunde, können keiner Kreatur etwas zuleide tun - möchte man denken. Aber ist das wirklich so? Shindoro spricht deutlich darüber in seinen vier Geschichten, macht keinen Hehl daraus, dass diesbezüglich viel im Argen liegt.

Zunächst begegnen zwei Mönche, der heilige Franziskus und sein Mitbruder Leo, gefräßigen Raubtieren, die sich um einen Kadaver streiten. Mit gütigen Worten gelingt es Franziskus, die Tiere zur Vernunft zu bringen. Alle lauschen gebannt, vor allem als sie vor den Menschen gewarnt werden. Zugleich weist der Autor aber auch darauf hin: "Auch gute Menschen gibt es, die euch wieder eine natürliche Umwelt bieten wollen. Haltet euch an die." Und an anderer Stelle: "Ich bin jedoch überzeugt, ihr könnt ihnen mit euren Mitteln sogar helfen" ... "Freiheit ja, aber gewiss nie auf Kosten der Freiheit anderer."

Wichtig ist es Shindoro in "Wahre Tiere" zu zeigen, dass die Existenz aller Lebewesen auf der Erde auf diesen wesentlichen Grundsätzen basiert. So kommt es nicht von ungefähr, wenn in der zweiten Geschichte der Rabe nach dem Süden fliegt, sich dort von einem Adler beraten lässt und so Pelikane gewinnt, die Fische aus dem Süden in den Norden bringen, damit dort alle Menschen genügend zu essen haben, denn der Fischbestand in den nördlichen Regionen ist versiegt.

Schließlich begegnen sich Rabe und Drachen und der Leser wird darüber aufgeklärt, warum die Raben schwarz sind, um dann in der letzten Geschichte von den aufregenden Erlebnissen der Elefanten zu erfahren, denen bei einer Wanderung durch eine Schlucht ihre Unerfahrenheit und Ignoranz zum Verhängnis werden. Die Tragödie bahnt sich an, als der alte Leitbulle Hinweise eines weiblichen Jungtieres auf die bedrohliche Situation missachtet. Damit wird unterstrichen, wie entscheidend Rücksichtnahme, Lernen und Aufgeschlossenheit gegenüber allem Neuen sind. Und so wird zukünftig jene Elefantenkuh die Führung der Herde übernehmen.

Immer wieder gibt es Parallelen zum menschlichen Verhalten. So wendet sich der Autor mit seinen Schilderungen an Groß und Klein, vermittelt für die Jüngeren Neues aus dem Zusammenleben der Tiere und für die Älteren die Erkenntnis, dass sie endlich zur Besinnung kommen sollten, um ihre Existenz nicht weiter zu gefährden, und sich die Natur zum Verbündeten machen sollten, denn ein rücksichtvolles Miteinander bedarf immer auch des Zuhörens und des Verständnisses.

Dr. Helga Miesch 
12.08.2013 

 
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Das Buch:

Shindoro: Wahre Tiere

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2013
62 S., 10,80
ISBN: 978-3-8372-1292-1

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