Erzhlbnde & Kurzprosa

Eine heitere und auch nachdenklich stimmende Erzhlung ber das "Experiment Mensch"

Die phantastische Erzählung des aus der Schweiz stammenden Autors Roger Kaysel, befasst sich mit der Schöpfung des Menschen. Jedoch nicht aus einer althergebrachten, religiösen Sicht, sondern mit einer neuen Idee. Terra Mater, die Erdmutter, langweilt sich auf ihrer wunderschönen Erde und trägt sich mit dem Gedanken an eine intellektuelle Gesellschaft, mit der sie philosophieren und sich wissenschaftlich auseinandersetzen kann. Bei ihren Überlegungen, welches Wesen hierfür die beste Grundlage geben könnte, schließt sie die Pflanzenwelt direkt aus. Mit viel Bedacht wählt sie schließlich den Affen aus, denn er zeigt neben Familiensinn, Neugier, körperlicher Beweglichkeit auch bereits Ansätze zu geistiger Regsamkeit. Dies sind unter anderem die für sie auschlaggebenden Qualitäten.

Da sich die Erdmutter der Verantwortung ihrer Entscheidung, ein eigenständig denkendes Wesen zu schaffen, dem sie auch die Geheimnisse des Universums anvertrauen will, bewusst ist, ruft sie ihre Freunde zu Hilfe: Die Planetengötter Merkur, Mars, Jupiter, Venus und Saturn sowie Sonne und Mond. Mit ihren jeweiligen Eigenschaften, egal ob gut oder schlecht, sollen sie den neuen Erdenkindern bei der Suche nach dem Sinn des Lebens wichtige Lebenshilfen und Inhalte des Unbewussten vermitteln. Bei einem ausgiebigen Wiegenfest stellt jeder der sieben Gäste, seine Fähigkeiten in den Dienst des Menschen.

Doch was mit großem Optimismus begann, endet leider in Kriegen, fortschreitendem Raubbau an der Natur, Umweltverschmutzung infolge mangelnder Verantwortung, insgesamt in unfassbarem Elend und Verwüstungen. So fühlen sich die Planeten schlussendlich zu einem Gipfeltreffen veranlasst, einer interplanetaren Konferenz mit dem Kürzel P7, bei dem nicht nur die Aufnahme der letzten zwei Planeten Uranus und Neptun und somit eine Erweiterung zu einem P9-Treffen erwogen werden soll, sondern vor allem der Fortgang der Menschheit diskutiert werden muss.

Letztendlich handelt es sich bei "Wir Planetenkinder", um ein heitere, aber auch nachdenklich stimmende Erzählung über das "Experiment Mensch". Wir alle sollten über die Tugenden nachdenken, die uns in die Wiege gelegt wurden, die aber im Laufe des Lebens leider oft vergessen werden. Wir sollten verhindern, dass sich Mutter Erde irgendwann einmal fragt, ob sich das Risiko Mensch für sie ausgezahlt hat. Denn wie Saturn schon sagte: "Mit dem Hirn besitzt der Mensch auch das Organ zur Selbstzerstörung." Aber zum Glück eben auch das Organ zur Selbstbestimmung!

Ganz im Sinne eines Antoine de Saint-Exupéry, der in seinem "Kleinen Prinzen" über die sieben Planeten eine Weltkritik ausübte, weist Roger Kaysel jedem Planeten und jedem Planetengott bestimmte Eigenschaften und Einflüsse auf die Menschen zu.

Die Erzählung begeistert aber nicht nur durch eine immer aktuelle Problematik, sondern auch sprachlich weiß Roger Kaysel zu überzeugen. Sein lebendiger und bildgewaltiger Stil lässt den Leser in die Geschichte der Menschheit eintauchen. Abgerundet wird das Werk durch viele ergänzende Comic-Zeichnungen von der Hand des Autors persönlich.

Ob die vermutlich auf einem Asteroiden stattfindende Konferenz der Planeten zu einer durchaus wünschenswerten Fortsetzung durch Roger Kaysel führen wird, bleibt also nur zu hoffen.

Hugo Meyer
18.05.2015

 
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Das Buch:

Roger Kaysel: Wir Planetenkinder

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Verlag: August von Goethe Literaturverlag 2015
93 S., 19
ISBN: 978-3-8372-1653-0

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