Wissenschaften

Literaturinterpretationen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu berprfen

Aus der Reihe "Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft" legt Thomas Zabka eine Studie ?ber die ?Pragmatik der Literaturinterpretation? vor. Ziel dieser Studie soll es sein, mithilfe der sprechakttheoretischen Kategorien der Proposition, Illokution sowie der Handlungsbedingungen ein kritisches Verm?gen hinsichtlich der Interpretation von Texten auszubilden bzw. zum versierten Gespr?ch dar?ber anzuregen.

Das umfangreiche begriffliche Instrumentarium wird im ersten Teil des Buchs ?bersichtlich und verst?ndlich dargelegt. Zun?chst wird Interpretation als Handlung definiert, in deren Verlauf einem Text bzw. seinen Elementen bestimmte Bedeutungen zugeschrieben werden. Welche Erstbedeutungen w?hlt der Interpret f?r eine weitergehende Interpretation aus und aus welchen Wissensbereichen stammen die ?bertragenen (Zweit-)Bedeutungen? Wie ist der "Verweisungsmodus" zwischen Erst- und Zweitbedeutung n?her zu bestimmen, etwa die "mentale Form", in der ein Text auf bestimmte Zweitbedeutungen verweist: So kann derselbe Text in einem Leser eine "bildhafte Vorstellung" evozieren, in einem anderen ein ganzes "Begriffsschema".

Weiterhin werden neun Typen illokution?rer Interpretationshandlungen extrahiert sowie Handlungsbedingungen des Interpretierens erl?utert (Interpretationskonventionen, Bedingungen im Interpretationsgegenstand, Bedingungen im interpretierenden Subjekt).

Im Kapitel "Interpretationskritik. Erl?uterungen zu ihrer Geltungsbasis", das der praktischen Anwendung des entwickelten Instrumentariums vorgeschaltet ist, wird Interpretation als "zentrale Operation literaturwissenschaftlicher Erkenntnis" bestimmt, deren Wahrheit bzw. Unwahrheit ?berpr?ft werden kann. Zabka ist es hier vor allem darum zu tun, einer konventionalistischen Interpretationstheorie zu wehren, die Interpretation ausschlie?lich durch Konventionen bestimmt sieht, mithin die ?berpr?fung ihrer Ergebnisse am literarischen Text ausschlie?t. Er wendet sich im Folgenden dem Wahrheitsanspruch der Interpretation zu und erl?utert die vier Kategorien, die der Erkenntnis literarischer Bedeutung zugrunde liegen (Code, Kontext, Modus, Subjekt).

Im zweiten Teil analysiert Zabka verschiedene "Allegoresen" von Goethes Wahlverwandtschaften: Walter Benjamins Wahlverwandtschaften-Essay, Bernhard Buschendorfs Goethes mythische Denkform. Zur Ikonographie der "Wahlverwandtschaften" sowie Joseph Hillis Millers A "buchst?bliches" Reading of 'The Elective Affinities'. Einer Beschreibung der jeweiligen Interpretation folgt die Analyse der propositionalen (Inhalte und Strukturen von Erst- und Zweitbedeutungen, Verweisungsmodus) sowie der illokution?ren Interpretationsakte, dem schlie?t sich eine Kritik der Interpretation an, die gleichwohl Auswege aus gewissen Widerspr?chlichkeiten aufzeigt. Jede Interpretation wird letztlich auf ihren theoretischen Horizont befragt; nicht selten zeigt sich dabei eine gewisse Befangenheit in literaturgeschichtlichen Str?mungen, die einer ad?quaten Gegenstandserkenntnis im Wege steht.

Mit seiner umfassenden Studie hat Thomas Zabka ein wohldurchdachtes Konzept vorgelegt, um Literaturinterpretationen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu ?berpr?fen bzw. Widerspr?che aufzudecken, deren L?sung einer besseren Beschreibung des Textes zugute kommt. Die Maximen, die er am Ende seines Buches formuliert, sollen weniger eine genaue Anleitung zum Verfassen von Interpretationen sein, als vielmehr eine stetige Kl?rung der eigenen Voraussetzungen beim Interpretieren anregen.

gol
24.04.2006

 
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Das Buch:

Thomas Zabka: Pragmatik der Literaturinterpretation. Theoretische Grundlagen - kritische Analysen

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Tbingen: Max Niemeyer Verlag 2005
283 S., 49,80
ISBN: 3-4842-2066-X

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