Wissenschaften

"Latin Lovers" auf dem Vormarsch

Totgesagte leben länger - dieser Spruch passt wie die Faust aufs Auge, wenn es um die angeblich tote Sprache Latein geht. Auch eineinhalb Jahrtausende nach dem Aussterben der Muttersprachler lebt das Lateinische in vielen Sprachen, vor allem den romanischen, weiter. Auch und gerade das Deutsche bildet da keine Ausnahme, wie Karl-Wilhelm Weeber in seinem neuesten Werk mit dem lustigen Titel "Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam" mehr als deutlich macht.

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Weeber ist nicht nur Lateinlehrer und Professor für Alte Geschichte und Alte Sprachen, sondern auch Autor zahlreicher populärer Sachbücher zum Thema Altes Rom, Latein und Griechisch. Schon in "Romdeutsch. Warum wir alle Lateinisch reden, ohne es zu wissen" und "Musen am Telefon. Warum wir alle wie die alten Griechen sprechen, ohne es zu wissen" hat er in die Welt der Alten Sprachen eingeführt und uns vor Augen geführt, welches sprachliche Erbe wir tagtäglich benutzen, ohne es bewusst wahrzunehmen. Den kuriosen Titel seines neuen Buches erklärt er ganz einfach selbst: "Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam" soll den "Triumph einer Sprache" bezeichnen, "die vielfach totgesagt wurde und die heute so viele Anhänger […] hat, dass man geradezu von einer Fangemeinde sprechen könnte."

Bei dem so "denglisch" anmutenden Begriff "Fan" ist Weeber schon mittendrin in seiner kleinen, amüsant geschriebenen Sprachkunde, die auch dem altsprachlich gebildeten Leser oftmals noch die Augen für die versteckten Ursprünge unseres Wortschatzes öffnen kann. "Fan" lässt sich bestenfalls als "Denglatein" bezeichnen, denn zugrunde liegt diesem Wort das lateinische "fanatici" (begeisterte Anhänger). Grundsätzlich nimmt Weeber all denen "Sprachschützern" den Wind aus den Segeln, die die deutsche Sprache vor dem Verfall ins Denglische bewahren wollen. Gerade dann, wenn wir immer mehr ins Denglische abrutschen, benutzen wir mehr Latein denn je, d. h. wir bewegen uns auf sprachlich höchstem Niveau. Wenn wir durch die "City" (civitas: Stadt) gehen, einen anderen "Approach" (appropinquare: sich nähern) brauchen oder "sampeln" (exemplum: Beispiel), bedienen wir uns der Sprache der alten Römer.

Um Latein von seinem Image als langweilige und eingestaubte Sprache zu befreien, berichtet Weeber außerdem von den Vorläufern unserer heutigen Graffiti - Wandkritzeleien waren im Alten Rom beliebt und nicht selten - , von Schimpfkanonaden und Anmachsprüchen, von Latein in der Werbung, im Fernsehprogramm und in der Liebe. Keinen Bereich lässt er aus. All dies tut er in einem herrlich lockeren Ton, den so mancher Lateinhasser einem Lateinlehrer und Professor für Alte Sprachen nicht zutrauen würde. Das Stöbern in "Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam" wird nie langweilig, da es neben der "Aha"-Effekte für den Leser auch noch kleine Rätsel, Stilblüten und Angebersprüche bereithält. Allenfalls der Untertitel "Der etwas andere Einstieg ins Lateinische" ist leicht missverständlich; zwar kann man Weebers Einblicke in die lateinische und damit auch deutsche Sprache auch dann genießen und davon profitieren, wenn man kein Latinum in der Tasche hat, jedoch machen Grundkenntnisse der Sprache das Verständnis leichter und die Lektüre noch erfreulicher als sie es eh schon ist. 

Sabine Mahnel
05.10.2009

 
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Das Buch:

Karl-Wilhelm Weeber: Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam. Der etwas andere Einstieg ins Lateinische

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Freiburg: Herder Verlag 2009
176 S., 14,95
ISBN: 978-3-451-30203-9

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