Wissenschaften

Das antike Spracherbe in unserem Alltag

Mussten vor einigen Jahren die Gymnasien dieses Landes noch darum k?mpfen, altsprachliche Kurse aufrechtzuerhalten, so hat sich hat sich dies in den letzten Jahren gewandelt. Die alten Sprachen Latein und Griechisch erfahren gerade einen Aufschwung bei den Sch?lern. Nicht zu unrecht, wenn man Karl-Wilhelm Weebers ?Musen am Telefon. Warum wir alle wie die alten Griechen sprechen, ohne es zu wissen? liest. Der Verfasser hat auch in seinem vorherigen Werk ?Romdeutsch? schon deutlich gemacht, dass die h?ufig tot geglaubten Sprachen Latein und Griechisch in unserem Wortschatz lebendiger denn je sind.

Neben den offensichtlichen Gr?zismen aus Wissenschaft und Technik, die jeder halbwegs Sprachinteressierte auch noch als solche entlarven k?nnte ? ?Biologie?, ?Philosophie?, ?Apotheke? und das Wort ?Technik? selbst ? widmet sich Weeber haupts?chlich den weniger offensichtlichen Gr?zismen oder solchen, die im Laufe der Sprachgeschichte einen Bedeutungswandel erfahren haben. Oder welcher Nicht-Gr?zist w?rde hinter so Worten wie ?Bombe? (griechisch ?Dr?hnen?), dem alkoholbedingten ?Kater? (in Wirklichkeit ein Kartarrh, bei dem ein unangenehmer Schleim aus dem Hirn herabflie?t) oder dem ?Pantoffel? (ein leichter Hausschuh ?ganz aus Kork?) einen griechischen Ursprung vermuten?

Viele Gymnasiasten sind sich ? zumindest bis sie sich dem Griechischen widmen ? sicher nicht bewusst, dass sie eigentlich ?Sch?ler des Nacktsportplatzes? sind, denn ein gymn?sion ist urspr?nglich ein Sportplatz, auf dem junge M?nner ?nackt? (gymn?s) trainierten. Auch die Schule ist nicht etwa ein germanisches Wort, sondern leitet sich von dem griechischen schol? ab, was soviel wie ?Mu?e? oder ?freie Zeit? bedeutet. Zu Recht w?rde nun jeder heutiger Sch?ler gegen diese Bedeutung protestieren. Im griechischen Sinn war die ?Schule? demnach die Zeit, in der man sich dem widmen konnte, was der Pers?nlichkeitsentwicklung f?rderlich war und in der man frei von Verpflichtungen jeglicher Art war. In dieser Hinsicht ist sie dem heutigen Verst?ndnis von Schule dann doch auch wieder nicht allzu fern: Es ist eine Zeit zur Selbst-?Bildung?.

Locker und witzig dargestellt sind auch das Kapitel zum Thema Jugendsprache (?mega?) und das Formel-1-Kapitel, in dem eine fiktive Unterhaltung zwischen dem griechischen Mathematiker Archimedes und dem Rennfahrer Michael Schuhmacher stattfindet. Sprachlich befinden sich diese beiden grundverschiedenen Menschen gar nicht so weit voneinander entfernt. Es k?nnte fast der Eindruck entstehen, Schumi spr?che Griechisch, wenn er von Mechanikern (?geschickten Facharbeitern?), Boliden (?Wurfgeschossen?) oder Aerodynamik (?Luft-Kraft?) spricht.

Karl-Wilhelm Weeber hat mit ?Musen am Telefon? nicht nur ein Pl?doyer f?r das Erlernen von Griechisch abgelegt, sondern auch eine unterhaltsame Lekt?re, die nicht unbedingt dazu einladen soll, das Buch von vorne bis hinten strikt durchzulesen, sondern es ist auch das kapitelweise Lesen und Bl?ttern erlaubt und m?glich, da der ein oder andere Begriffe durchaus doppelt erw?hnt und erkl?rt wird. Sowohl die zweifarbige Gestaltung des Textes als auch das Register der griechischen und deutschen W?rter erm?glichen ein schnelles Auffinden der gew?nschten Begriffe, wenn man dieses Buch einfach nur als kleines Nachschlagewerk benutzen m?chte.

Sabine Mahnel
13.05.2008

 
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Das Buch:

Karl-Wilhelm Weeber: Musen am Telefon. Warum wir alle wie die alten Griechen sprechen, ohne es zu wissen

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Darmstadt: Primus Verlag 2008
236 S., 24,90
ISBN: 978-3-89678-359-2

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