Hrbcher

Mit Auri im Untergrund

Die "Königsmörder-Chronik" des amerikanischen Fantasy-Schriftstellers Patrick Rothfuss ist momentan eine der höchst gehandelten Serien im Fantasy-Genre. Als Trilogie ist die Geschichte um den Zauberer Kvothe angelegt, die beiden ersten Teile "Der Name des Windes" und "Die Furcht des Weisen" sind bereits weltweit in zahlreichen Übersetzungen erschienen. Der zweite Teil wurde ob seiner Fülle vom Klett-Cotta-Verlag als Herausgeber der deutschen Übersetzung sogar in zwei Teile gesplittet. Gespannt wartet man allenthalben auf den Abschluss der Trilogie. Patrick Rothfuss hat nun Neues aus der Welt Kvothes veröffentlicht, jedoch handelt es sich bei "Die Musik der Stille" lediglich um ein Zwischenspiel, das mit Auri eine Nebenfigur der bisherigen Handlung zur Protagonistin befördert.

Kvothe und Auri waren sich in den beiden bisher erschienenen Teilen immer wieder mal über den Weg gelaufen. Beispielsweise hat Kvothe auf dem Dach der Universität, in deren Untergrund Auri ihre Bleibe hat, für Auri musiziert. Obgleich Auri durchaus als ein wenig abgedreht bezeichnet werden darf, schätzte Kvothe sie stets, was seine Gespräche mit ihr und seine Geschenke für sie unterstreichen. Dennoch hatte Auri nicht unbedingt eine tragende Rolle in der bisherigen Geschichte inne, so dass aufgrund von „Die Musik der Stille“ gemutmaßt werden darf, ob sie vielleicht im letzten Teil noch eine entscheidende Bedeutung bekommen könnte. Dabei besteht die Handlung im neuesten Werk von Patrick Rothfuss praktisch ausschließlich darin, Auri in ihren dunklen Katakomben zu begleiten, ihr bei ihren freudigen Vorbereitungen auf das nächste Treffen mit Kvothe beizuwohnen und zu sehen, wie sie ihr Leben bestreitet.

In der realen Welt würde man Auri unzweifelhaft als verhaltensauffällig klassifizieren, lebt sie doch völlig isoliert nur mit ihren Dingen zusammen, denen sie Namen und Eigenschaften verleiht, die sie um sich schart und in eine harmonische Ordnung zu bringen versucht. Auri besitzt demnach komplett andere Antennen als ihre Mitmenschen, so bricht für sie eine Welt zusammen, wenn die Anordnung mancher Dinge in ihren Räumen gestört ist. Dennoch - und dies entspringt der Magie von Rothfuss' Schreibkunst - wird man peu à peu in die Lage versetzt, Auris Gedanken tatsächlich nachvollziehen zu können, wenn sie beispielsweise von eitlen Türen spricht.

Die vorliegende Hörbuchausgabe des Hörverlags enthält die ungekürzte Lesung der mit 173 Seiten recht schmalen Buchvorlage. Auch die gesprochene Fassung hält sich mit knapp viereinhalb Stunden für ein Hörbuch durchaus im Rahmen. Mit Yara Blümel und Stefan Kaminski teilen sich gleich zwei gestandene Sprecher diese Aufgabe. Während der gesamte Hauptpart an Auris Seite entsprechend durch die weibliche Stimme intoniert wird, fokussiert sich ihr männlicher Schauspielkollege auf die Ansprache des Autors im Vorwort sowie im Epilog, ebenso liest er am Ende des vorliegenden Hörbuchs noch die Anfänge von "Der Name des Windes". Dem Hörbuch ist zudem ein Booklet beigefügt, das Illustrationen zu Auris Welt aus der Feder von Marc Simonetti enthält und das man beim Hören gerne durchblättert, da sich die Zeichnungen sehr gelungen mit den Beschreibungen des Autors ergänzen.

Besitzt man beim Einlegen der mp3-CD noch die Erwartungshaltung, einen klassischen Aufbau mit Spannungsbogen vorzufinden, wird man sich hier allerdings damit abfinden müssen, dass dem nicht so sein wird. Stattdessen lauscht man den Erzählungen und gibt sich diesen allmählich hin, wobei es gilt, aufkommende Ungeduld zu unterdrücken. Dessen ist sich Patrick Rothfuss auch umfänglich bewusst, so dass er bereits im Vorwort darauf hinweist. Im Nachwort entschuldigt er sich sogar und nimmt die Schuld auf sich, falls die Geschichte nicht gefallen hat. Angeblich hatte der Autor ursprünglich auch überhaupt nicht vor, eine solche Geschichte zu schreiben, doch kam er während des Schreibens von seinem eigentlichen Plan ab. Schlussendlich musste er sogar selbst von seiner Verlegerin überzeugt werden, die Geschichte so abzuliefern, wie sie sich im Laufe des Schreibens entwickelt hatte. Und in der Tat untermauert Rothfuss mit diesem Werk seinen Ruf als Sprachvirtuose. Mit ausgefeilten atmosphärischen Beschreibungen nimmt er einen gefangen und auf die Reise durch das unterirdische Labyrinth der Universität von Imre.

Kurzum ist "Die Musik der Stille" dann eine wunderbare Geschichte, wenn man selbst vorab weiß, worauf man sich einlässt und was man garantiert nicht erwarten sollte. Doch letztlich wartet die Welt nun sehnsüchtig auf den finalen dritten Teil der "Königsmörder-Chronik". Offiziell angekündigt ist aktuell lediglich der englische Arbeitstitel "The Doors of Stone". Über ein mögliches Erscheinungsdatum schweigen sich Autor und Verlag noch aus. Jüngsten Gerüchten zufolge befindet sich das Manuskript gerade in der Revisions- und Korrekturphase. Ein Erscheinen im kommenden Jahr liegt damit durchaus im Bereich des Möglichen. Doch bis dahin wird sich die Fantasy-Community garantiert noch an vielfältigen Spekulationen beteiligen, was denn dieser Schlussakkord von Patrick Rothfuss bereithalten wird. Schließlich ist Vorfreude bekanntlich die schönste Freude!


Christoph Mahnel

20.04.2015

 
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Das Buch:

Patrick Rothfuss: Die Musik der Stille

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Sprecher: Yara Blmel und Stefan Kaminski
Mnchen, Der Hrverlag 2015
Spielzeit: 266 Minuten, 15,99
ISBN: 978-3-844-51802-3

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