Hrbcher

He had a dream ...

Wenn ein amtierender Literaturnobelpreistr?ger einen neuen Roman ver?ffentlicht, ist es nur allzu verst?ndlich, dass ein gro?es ?ffentliches Interesse an diesem Werk herrscht, so geschehen dieser Tage bei "Der Traum des Kelten" aus der Feder von Mario Vargas Llosa. Der Peruaner hatte im Dezember 2010 den Nobelpreis f?r Literatur erhalten, und die gesamte Literaturwelt war sich ausnahmsweise einig in ihrem Urteil, dass es mit Vargas Llosa einen Autor getroffen habe, der diese Auszeichnung definitiv verdiene. F?r gew?hnlich schl?gt n?mlich die Ernennung des Preistr?gers hohe Wellen und zieht epische Diskussionen mit sich, wer von denjenigen, die leer ausgegangen sind, denn den Preis am meisten verdient h?tte.

Im Mittelpunkt des neuesten Werkes von Vargas Llosa steht der irische Nationalheld Sir Roger Casement. In der Rahmenhandlung in "Der Traum des Kelten" befindet sich der 51-j?hrige, wegen Hochverrats an der britischen Krone angeklagte Casement im Londoner Gef?ngnis Pentonville und wartet auf das ?ber Leben und Tod entscheidende Urteil. In R?ckblenden l?sst er die Stationen seines abwechslungsreichen Lebens an sich vorbeiziehen. Vargas Llosa hat Casements Vita in drei ?bergeordnete Abschnitte eingeteilt: "Der Kongo", "Der Amazonas" und "Irland".

Der Autor ist in seiner Erz?hlung sehr nahe an der Wirklichkeit und den Gegebenheiten in Casements Leben geblieben. Casement war zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der britischen Regierung in den Kongo gereist, um sich vor Ort einen Einblick in die tats?chlichen Lebensumst?nde der einheimischen Bev?lkerung unter dem Joch der belgischen Kolonialherren zu verschaffen. Sein schonungloser Bericht hatte bedeutende internationale und diplomatische Auswirkungen. In Casements zweiter Mission an den Amazonas schlie?t sich der Kreis zum peruanischen Autor, da Casement um 1910 ins peruanische Amazonasgebiet reiste, um dort in einer ?hnlichen Mission wie im Kongo die Vorw?rfe gegen die Peruvian Amazon Company zu untersuchen - ein britisches Unternehmen, gegen das massive Anschuldigungen erhoben worden waren.

In seiner Retrospektive vergleicht Sir Roger Casement das verurteilenswerte Verhalten der Kolonialherren in Afrika und S?damerika mit der Situation seiner Heimat Irland gegen?ber dem m?chtigen Gro?britannien. Zwar war Casement ?ber die Jahre hinweg zu einer anerkannten Pers?nlichkeit der britischen Krone geworden - unter anderem war er zum "Sir" geschlagen worden - doch lie? er nie au?er Acht, wie seine irischen Landsleute unter dem Nachbarn zu leiden hatten. Diese ?berzeugung f?hrt ihn sp?ter f?r Irland in die Schlacht und letztlich auch in die Situation, in der er sich im Pentonville-Gef?ngnis befindet und die ihn auf seine Hinrichtung warten l?sst, da f?r seine Kollaboration mit dem deutschen Feind keine britische Gnade zu erwarten sein wird.

Das vorliegende H?rbuch als gek?rzte Lesung durch Burghart Klau?ner ist eine gelungene Produktion des H?rverlags, was insbesondere der starken Umsetzung durch den Sprecher geschuldet ist. Klau?ner ist der breiten ?ffentlichkeit unter anderem durch seine Rolle als strenger Pfarrer in dem preisgekr?nten deutschen Film "Das wei?e Band" bekannt sowie H?rbuchfans durch seine Lesung der Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach ("Schuld" und "Verbrechen"), f?r die er zu Recht einige anerkannte Preise abger?umt hat. Klau?ner wirkt mit seiner sonoren Stimme f?r die Schilderung des Lebens eines so aufrechten Mannes wie Sir Roger Casement gelungen authentisch.

Mario Vargas Llosa hat mit seiner Schilderung des Sir Roger Casement in einer von Opportunismus und Wankelmut gezeichneten Zeit einen Pflock f?r ein konsequentes Eintreten seiner ?berzeugungen und seiner Ideale gesetzt. Obgleich sich Vargas Llosa wenig literarische Freiheiten geg?nnt hat und sehr nahe an der historischen Wirklichkeit geblieben ist, ist es ihm vortrefflich gelungen, Emotionen und Leidenschaft aus seinem Protagonisten herauszuarbeiten, was wieder einmal beweist, dass die Realit?t der Fiktion in vielerlei Hinsicht voraus ist. Ganz gewiss wird der n?chste Roman aus der Feder von Mario Vargas Llosa mit einer ?hnlich hohen Erwartungshaltung begr??t werden wie dieser; zweifelsohne ist davon auszugehen, dass der Peruaner diese Vorschusslorbeeren auch beim n?chsten Mal wieder voll und ganz erf?llen k?nnen wird.

Christoph Mahnel
19.12.2011

 
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Das Buch:

Mario Vargas Llosa: Der Traum des Kelten. Aus dem Spanischen von Angelica Ammar

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Sprecher: Burghart Klauner
Mnchen: Der Hrverlag 2011
Spielzeit: 606 Min., 29,99
ISBN: 978-3-86717-802-0

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