Hrbcher

So viel mehr als nur James Dean

Wer bei dem Titel "Jenseits von Eden" an den Film von Elia Kazan aus dem Jahr 1955 mit James Dean in der Hauptrolle denkt und glaubt, damit den Stoff der Romanvorlage von John Steinbeck zu kennen, der liegt völlig falsch. Zwar ist der Film die schnellere und leichtere Kost, doch hat die Familiensaga, die eine Zeitspanne von über 50 Jahren abdeckt - vom Amerikanischen Bürgerkrieg bis zum Ende des Ersten Weltkriegs - und sich über drei Generationen erstreckt, so viel mehr zu bieten.

Während die bekannte Verfilmung mit James Dean nur den vierten und letzten Teil des Romans zum Gegenstand hat, hat das Hörspiel, das der NDR 2020 produziert hat, neun Stunden Zeit, um in die Tiefen der Geschichte der Familien Trask und Hamilton abzutauchen. Bei den Trasks war der Bruderzwist zwischen den ungleichen Zwillingen Caleb und Aron schon vorprogrammiert, da auch ihr Vater Adam zu seinem Bruder Charles eine alles andere als harmonische Beziehung hatte - geprägt von Eifersucht und das Buhlen um die Gunst des Vaters.

Als nach dem Tod des Vaters die schwer verletzte Cathy in das Leben von Adam und Charles tritt und die beiden sie gesund pflegen, treibt sie einen Keil zwischen die Brüder und heiratet letztendlich den sensibleren und naiveren Adam, der ihr falsches Spiel nicht durchschaut hat. Adam zieht mit Cathy von Connecticut in das Salinas-Tal in Kalifornien, um ein neues Leben zu beginnen. Nach der Geburt der Zwillinge Caleb und Aron verlässt Cathy die Familie, um sich in Salinas als Prostituierte zu verdingen.

Ihr Vater Adam erzählt seinen Söhnen später, dass ihre Mutter gestorben sei, doch Caleb findet bald heraus, dass ihre Mutter noch lebt. Lange behält er das Geheimnis für sich, doch benutzt es letztendlich, um sich an seinem Bruder zu rächen. Er erzählt Aron von ihrer Mutter, woraufhin dieser sich zum Militärdienst meldet und nach Europa in den Ersten Weltkrieg zieht. Wie bei der biblischen Kain-und-Abel-Vorlage mündet auch der Bruderzwist von Caleb und Aron im Tod eines Bruders - allerdings hier kriegsbedingt.

Der Literaturnobelpreisträger John Steinbeck (1902-1968) hat sich mit "Jenseits von Eden" selbst ein Denkmal gesetzt, indem er viel von seiner eigenen Lebensgeschichte und seinem geliebten Salinas-Tal in den Roman eingebracht hat - ebenso wie den ewigen Streit zwischen Gut und Böse, Gunst und Missgunst, Wahrheit und Lüge. Den 700-Seiten-Roman in ein Hörspiel zu verwandeln, das so viel Atmosphäre und Tiefgang hat, dass einem diese amerikanische Saga noch lange nach Verhallen des letzten Tons im Kopf bleibt, ist eine wahre Meisterleistung der Autorin und Redakteurin Christiane Ohaus und der Schauspieler, wie Ulrich Noethen, Maja Schöne und Felix von Manteuffel, um nur wenige des über 40-köpfigen Ensembles zu nennen.

Die NDR-Produktion von "Jenseits von Eden" ist eine zeitgemäße und dennoch traditionelle Hörspielproduktion, die musikalisch mit den Kompositionen der amerikanischen Musikerin Stephanie Nilles spielt und erzählerisch auf die tragende Rolle eines starken Erzählers (Ulrich Noethen) setzt. Modern und doch nicht zu experimentell ist diese Produktion sicherlich eine der besten des Jahres, wenn nicht sogar die beste.

Sabine Mahnel 
29.11.2021

 
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Das Buch:

John Steinbeck: Jenseits von Eden. Aus dem Amerikanischen von Harry Kahn

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Sprecher: Ulrich Noethen, Thomas Loibl, Maja Schne, Felix von Manteuffel u.v.a. Mnchen: Der Hrverlag 2021 Spielzeit: 547 Min., 29,00 ISBN: 978-3-8445-3815-1

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