Hrbcher

250. Geburtstag eines Universalgenies

2019 ist das Jahr, in dem die Welt der Wissenschaft und des Humanismus den 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt feiert, einem Biologen, Geologen, Ethnologen, Ökologen und vor allem einem Humanisten, der sich gegen Sklaverei und Rassismus einsetzte. Hans Sarkowicz, beim Hessischen Rundfunk verantwortlich für das Ressort Literatur und Hörspiel, hat Humboldt zu seinem 250. Geburtstag ein ausführliches Feature gewidmet.

In acht Teilen, will heißen auf acht CDs, beleuchtet Sarkowicz anhand von Humboldts Gesamtwerk, das gerade erstmals in seiner Gänze herausgegeben wurde, sein Leben und seine Forschung. Dabei sind die großen Themenkomplexe natürlich seine Expeditionen nach Amerika und Asien, seine ethnographischen Betrachtungen, seine Kritik gegenüber Kolonialismus und Sklaverei, seine Vermessungen sowie seine botanischen und zoologischen Beobachtungen, aufgrund derer er auch als Wegbereiter für Darwins Erforschungen galt.

Auch wenn Humboldts Entdeckungen mittlerweile über zwei Jahrhunderte alt sind, haben einige davon nichts an Aktualität eingebüßt, denn eines seiner Erkenntnisse war, dass Eingriffe des Menschen in die Natur in Zusammenhang mit der Veränderung des Klimas stehen. Doch selbst Jahrhunderte später hat die Menschheit anscheinend noch nicht viel dazugelernt.

Humboldt, der, wenn es nach seiner Mutter gegangen wäre, eine Karriere im Staatsdienst hätte anstreben sollen, konnte sich die Expeditionen ins ferne Amerika mit dem Erbe seiner Mutter finanzieren, die starb, als er Mitte 20 war. Er schied sofort aus dem Staatsdienst aus und bereitete seine Expedition nach Amerika vor, die ihn fünf Jahre lang von Europa fernhielt. Ausgestattet mit allerlei Messgeräten, vermaß er nicht nur geographische Längen und Breiten, sondern sammelte auch Pflanzen und zeichnete Tiere. Außerdem unternahm eine Menge Selbstversuche und war sich für kein Experiment zu schade. Er probierte Drogen und Pfeilgifte und testete die elektrischen Impulse, die Zitteraale abgeben, am eigenen Körper.

Humboldt war ein Universalgenie, das in seinen fast neun Lebensjahrzehnten nicht müde wurde zu schreiben, zu publizieren und seine Gedanken und die Ergebnisse seiner Forschungen kundzutun. Neben seinen großen Werken veröffentlichte er über 1000 Aufsätze. Er war befreundet mit Goethe, veröffentlichte in Schillers Zeitschrift und lernte auf seiner Amerikareise auch Thomas Jefferson kennen. Er war ein neugieriger Mensch mit scharfem Verstand, Mut und einem breitgefächerten Wissen.

Das Hörbuch von Hans Sarkowicz, der bekannt ist für seine informativen und kurzweiligen Features, wie z.B. "Geheime Sender", "Die ungeliebte Demokratie" oder "Der Weg zur deutschen Teilung", ist, wie zu erwarten, nicht nur inhaltlich überzeugend, sondern kann auch mit einer Top-Sprecher-Besetzung und einer ausgeklügelten Mischung aus Interviews, Zitaten und erzählenden Passagen glänzen. Ulrich Noethen liest Auszüge aus Humboldts Tagebüchern, die von dezenten Hintergrundgeräuschen begleitet werden, so dass man voll und ganz in die Welt Humboldts abtauchen kann.

In den Interviewpassagen kommen ausgewiesene Humboldt-Kenner zu Wort, allen voran Oliver Lubrich, Herausgeber von Humboldts "Sämtlichen Schriften". Sarkowicz' neuestes Werk ehrt nicht nur einen großen deutschen Forscher, sondern gibt auch ein Bild dessen ab, wie informative Hörbücher/-spiele gemacht werden sollten.

Sabine Mahnel 
17.06.2019

 
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Das Buch:

Hans Sarkowicz (Hg.): Der unbekannte Kosmos des Alexander von Humboldt

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Sprecher: Ulrich Noethen u.v.a. Mnchen: Der Hrverlag 2019 Spielzeit: 607 Min., 40,00 ISBN: 978-3-8445-3305-7

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