Bildbände

Die Alten Meister 2.0

"Schöne Bücher für kluge Frauen", so das Motto für das Elisabeth-Sandmann-Verlagsprogramm, das zweimal im Jahr mit sehr viel Liebe zum Detail gemacht wird. 2004 ist der Verlag gegründet worden, und seither ist es ihm wichtig, neue Themen zu entdecken oder sie so zu präsentieren, dass ein ganz und gar neuer Blickwinkel möglich wird. Und das gelingt auch mit der vorliegenden Neuerscheinung. "Hidden Portraits: Alte Meister - Neuer Blick" überrascht auf jeder Seite. Hier kommt man aus dem Staunen beim Betrachten der "Gemälde" gar nicht mehr heraus. Das Vergnügen zu verdanken hat der begeisterte Leser Volker Hermes, einst Meisterschüler bei Dieter Krieg. Dank ihm wird Malerei zu einer noch nie dagewesenen Kunstform erhoben.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Hermes vor allem mit seiner "Hidden Portraits"-Serie. Dabei handelt es sich um digitale Collagen historischer Porträts. Der Künstler interessiert sich dabei besonders für die historischen Zeichen und Symbole der Selbstdarstellung, die im Genre der Porträtsmalerei zu finden sind. In seinen Arbeiten analysiert und überzeichnet er sie. Ausgestellt wurde die Reihe 2020 im Museum Castello Visconteo, Pavia. Wer nicht nach Italien reisen wollte oder konnte, um die Originale zu sehen, dem sei die Buchausgabe des Elisabeth Sandmann Verlages wärmstens ans Herz gelegt. Diese lohnt sich nämlich auf jeder Seite.

Ein Spiel zwischen Verhüllen und Entblößen, nah und fern zugleich, ein Dialog zwischen Auge und Zeit, Volker Hermes zieht uns mit seinen Werken in den Bann. Männer- und Frauenporträts, gemalt von großen Meistern, werden mit Masken, Stoffen, Perücken, Kragen, Ketten verdeckt. Dabei spielt Hermes mit alten Symbolen und Botschaften, mit Texturen und Materialien und sprengt im wahrsten Sinne Ketten und starre Kragen. Mittels digitaler Interventionen entsteht eine ganz und gar neue Sicht und Interpretation für das zeitgenössische Auge.

Diese einzigartigen Porträts laden die Betrachtenden ein, die verborgenen Codes der Vergangenheit zu erkunden - die Symbole der Selbstrepräsentation und des sozialen Status durch Mode und Accessoires. Doch Hermes geht noch weiter und legt mit zeitgenössischer Perspektive, Respekt für das Geschaffene und einem Hauch von Humor die Botschaften unserer Zeit über die der Antike, der Renaissance, der holländischen Malerei. Dieses Buch ist nicht nur eine Hommage an die Kunst der Vergangenheit, sondern auch Ausdruck der ewigen Suche nach Identität und Selbstausdruck.

Ganz große, geradezu überwältigende, definitiv überraschende Bildband-Kunst auf jeder Seite - Volker Hermes' "Hidden Portraits: Alte Meister - Neuer Blick" ist ein Ansporn, einmal selbst in ein Museum wie zum Beispiel die Dresdner "Gemäldegalerie", ins Frankfurter "Städel", in die Münchener "Alte Pinakothek" und so weiter und so fort zu gehen und dabei so einiges zu entdecken. Oder man macht es sich zu Hause bequem und blättert über viele, viele Stunden lang in diesem Buch und sieht immer wieder neue Details. Wie diese Neuerscheinung zeigt, braucht es nicht immer einen Roman, um sich für einen Abend oder auch zwei oder drei ohne Fernseher oder Smartphone/Computer aufs Grandioseste zu unterhalten.

Kunst zum Staunen, dass einem sogar der Mund offen stehen bleibt? Das erwartet einen mit der "Lektüre" von "Hidden Portraits: Alte Meister - Neuer Blick". Der "Autor", seines Zeichens der deutsche bildende Künstler Volker Hermes, vermag es, dem Rezipienten den Atem sowie die Sprache zu rauben, ohne sich des Genres "Belletristik" bedienen zu müssen. Es braucht jede Menge versierte Pinselstriche und ein, wie der Buchtitel bereits sagt, neuen Blick auf die alten Meister. Das Ergebnis ist nicht mehr und nicht weniger als ein Geniestreich. Einfach nur Chapeau!

Susann Fleischer 
18.11.2024

 

Das Buch:

Volker Hermes: Hidden Portraits: Alte Meister - Neuer Blick

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Berlin: Elisabeth Sandmann Verlag 2024 128 S., € 38,00 ISBN: 978-3-949582-34-9

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