Romane

Die 80er leben!

Marc denkt selten an seine wilde Teenagerzeit zurück. Und wenn, dann meistens mit Schrecken. Denn damals war er ein Loser und wurde von seinen Klassenkameraden und sogar Großvater "Lutscher" genannt. Aber er war auch in einer Band und träumte, mit "Blooddigger" den großen Durchbruch zu schaffen. Seine Versuche an der Gitarre allerdings sind auch mehr als drei Jahrzehnte später eine Riesenkatastrophe. All diese Erinnerungen kommen wieder hoch, als er seinen Eltern einen Besuch abstattet und sein Vater ihm eine alte Schatzkiste, prall gefüllt mit Konzertkarten, Mixkassetten, Briefen, Fotos und einem Batikhalstuch, in die Hand drückt. Plötzlich findet sich Marc im Jahre 1986 und damit in seiner persönlichen Hölle wieder.

Damals, mit 15, waren die geheimen Ausflüge ins Nachtleben, alkoholbedingte Ausfälle, die Schmach über das peinlichste Mofa der Welt, die neue Platte von Mötley Crüe und vor allem die Aussicht auf den ersten Sex mit Anna irgendwie wichtiger als Tschernobyl, Kalter Krieg und die Ehekrise seiner Eltern. Natürlich blieben auch Peinlichkeiten nicht aus. So outete Marc den Schuldirektor. Warum sonst hätte dessen Auto auf einem "Schwulensexparkplatz" stehen sollen? Und seinen Englischlehrer verdächtigte Marc des Mordes. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, ließ sich Marc nicht nur vom Vollidioten Philipp Straub fertigmachen, sondern auch von seiner kleinen Schwester. Sie wusste im Gegensatz zu Marc, wie es so läuft im Leben...

Eine Zeitreise zurück in die 80er Jahre? Die ist nun möglich dank Lars Niedereichholz (eine Hälfte von "Mundstuhl"). Ab Seite 23 von "Mofaheld" ist es, als wären seit 1986 keine dreißig Jahre vergangen. Das ist aber nicht das einzige Wunder, das mit dem Aufschlagen des vorliegenden Buches geschieht: Außerdem bekommt man mit diesem Comedy mit Tiefgang in die Hand. Kaum die ersten Sätze gelesen, haben die Bauchmuskeln jede Menge zu tun. Denn Niedereichholz packt in seine Geschichten eine Extraportion Humor, sodass es einem kaum auf der Couch hält ob der ständigen Lachanfälle. Von diesen gibt es auch hier so viele, dass man am nächsten Tag einen ausgewachsenen Muskelkater hat. Amüsantere Unterhaltung findet man nirgendwo anders.

"Mofaheld" - definitiv einer der lustigsten Romane dieses Jahres. Während der Lektüre werden Herz und Zwerchfell über alle Maße bewegt. Lars Niedereichholz beweist zum wiederholten Male, dass er nicht nur ein Ausnahme-Comedian ist, sondern darüber hinaus ein mindestens so genial-komischer Autor wie beispielsweise Tommy Jaud oder Tim Boltz. Hoffentlich darf man von ihm noch ganz, ganz viel lesen!

Susann Fleischer
07.03.2016

 
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Das Buch:

Lars Niedereichholz: Mofaheld

Reinbek: Rowohlt Polaris 2016
240 S., 14,99
ISBN: 978-3-499-27101-4

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