Romane

Szenen einer Ehe

Marten Endlich, Autor von Ratgebern über Haustiere, hat ein Problem: Er weiß plötzlich nicht mehr, ob seine Frau Silke ihn noch liebt, obwohl - oder weil? - sie seit gut zwanzig Jahre verheiratet sind. Seit dem Auszug ihrer beiden Kinder vor sechs Monaten ist nichts mehr wie zuvor. In der Ehe kriselt es ziemlich. Gattin Silke fühlt sich von Marten nicht verstanden. Sie wirft ihm vor, er interessiere sich nicht für ihre Belange. Marten muss sich eingestehen, dass etwas dran ist an Silkes Vorwürfen. Hat er doch keine Ahnung davon, unter welch enormem Druck sie momentan steht. Auf Arbeit ist in letzter Zeit der Teufel los. Damit aber nicht genug: Zu allem Überfluss macht Silkes Chef ihr schöne Augen. Er will mit ihr Abendessen gehen - und noch ein bisschen mehr.

Marten ahnt nichts davon. Er merkt bloß, dass er und Silke nicht mehr so glücklich sind wie am Anfang ihrer Beziehung. Es muss sich schnellstens etwas ändern. Oder schon bald sitzt er einsam, alkoholkrank und schlecht ernährt in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Eine Überraschungsparty für Silke erweist sich ebenso als Flopp wie Marten als Möchtegern-Macho. Selbst eine Paartherapie scheint nichts zu ändern. In seiner Not sieht Marten nur noch einen Ausweg: Er beschließt, aufs Ganze zu gehen, und lässt sich auf Renate, eine Kollegin, die ihn seit geraumer Zeit anhimmelt, ein. Vielleicht klappt es ja und Silke platzt vor Eifersucht. Dumm nur, dass der Plan nach hinten losgeht und Marten plötzlich ein zweites Problem in Gestalt einer Klette namens Renate am Hals hat ...

Bei der Lektüre von Matthias Keidtels Romanen weint man, während man lauthals lachen muss, und lacht man, während man weint. Diese stecken voller Emotionen und noch mehr Wortwitz. Nach nur wenigen Seiten von "Frau Endlich geht" hat man herrlich gute Laune, der selbst einer Laus auf der Leber nichts anhaben kann. Einmal mehr versteht es der deutsche Autor, seine Leser sehr, sehr glücklich zu machen, und zwar mit kurzweiliger Unterhaltung, wie man sie nicht alle Tage in die Hand bekommt. Am Schluss ist einem ganz schwindelig ob dieses genial-komischen Lesevergnügens. Keidtel hat es echt drauf, Geschichten zu erzählen. Seine Bücher vertreiben sämtliche Alltagssorgen in Windeseile. Also unbedingt zugreifen. Denn diese sind das beste Antidepressivum der Welt.

Wenn es nicht auf dem Buchcover stände, könnte man glatt glauben, "Frau Endlich geht" stamme nicht aus Matthias Keidtels Feder, sondern aus der von Loriot. Hier findet man so viel Situationskomik wie sonst nur noch in den Sketchen des bekannten Humoristen - und darüber hinaus Lesespaß der amüsantesten Sorte. Sobald man mit dem Lesen beginnt, ist es, als unternähmen Herz und Seele einen Erholungsurlaub.

Susann Fleischer
12.10.2015

 
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Das Buch:

Matthias Keidtel: Frau Endlich geht

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Berlin: Rtten & Loening Verlag 2015
304 S., 14,99
ISBN: 978-3-352-00675-3

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