Romane

Familie ist strker als Vergessen

Lisa führt ein sehr erfolgreiches Leben: Sie ist das Gesicht von "Klüger Reisen" und hat es geschafft, das Dorf ihrer Kindheit, aus dem sie immer entkommen wollte, hinter sich zu lassen. Alles könnte perfekt sein, hätte sich ihr Mann nicht dazu entschieden, sich von ihr zu trennen. Dies ist auch einer der Gründe, wegen derer sie sich entschließt, dem Hilferuf ihrer ungeliebten Schwester Hannah zu folgen, die sich um ihre demente Mutter Uschi kümmert. Bereits die Anfahrt nach Schierchstadt gestaltet sich als sehr abenteuerlich, da Lisa ihre 17-jährige Tochter Ronja mitnimmt, die 3.000 Kilometer fahren muss, um den L17-Führerschein zu bekommen. Endlich am Ziel angekommen, treffen die beiden ungleichen Schwestern aufeinander und Hannah führt Lisa zu ihrer Mutter, die sie nicht erkennt. Von da an beginnt eine Reise ins Ungewisse, für Lisa sowie für den Rest der Familie. Wird es Lisa gelingen, sich mit ihrer dementen Mutter anzufreunden und so die Auszeit von Hannah, die endlich einmal in Urlaub fährt, gut zu überstehen? Was hat es mit den alten Briefen auf sich, die sie bei ihrer Mutter findet? Und was genau bedeutet die Zahl 4444, die Uschi die ganze Zeit vor sich hin murmelt?

Der Roman "Verwandt in alle Ewigkeit" von Hera Lind vereint alles, was der Leser sich wünschen kann: Charme, Witz, Liebe und Spannung. Gekonnt weiß die Autorin, die schwierigen Zeiten mit der dementen Mutter ebenso liebenswert und berührend zu veranschaulichen wie auch die kurzen, klaren Momente. Dabei vergisst sie jedoch nicht, auch zu zeigen, wie schwer oder gewöhnungsbedürftig das Leben mit einer dementen Person für die Angehörigen sein kann, die den direkten Kontakt mit den geliebten Menschen für einige Zeit nicht hatten. Dabei werden hier auch die Stimmungsschwankungen der betroffenen Personen sehr gut herausgearbeitet.

Eine sprachliche Besonderheit dieses Buches ist, dass der letzte Satz eines jeden Kapitels zugleich auch der erste Satz des nächsten Kapitels bildet. Dies hilft dem Leser vor allem, bei den Perspektivenwechseln einen direkten Zugang zu den folgenden Rückblenden zu bekommen. Hera Lind arbeitet in diesem Buch mit fünf Perspektiven, die sich gegenseitig ergänzen und entweder das aktuelle Geschehen mit Lisa und Uschi oder die Vergangenheit letzterer näher beleuchten. So erläutert vor allem Uschis Perspektive, wieso sie sich genau so benimmt und welche Verbindungen sie zu bestimmten Dingen und Personen hat. Andere Sichtweisen sind beispielsweise die von Uschis bester Freundin Renate, von Uschis Adoptivmutter Lina und von ihrer leiblichen Mutter Ingeborg.

Der Leser wird in diesem Buch zugleich auch auf eine Art Zeitreise mitgenommen, die die Jahre von 1945 bis 2014 abdeckt.

"Verwandt in alle Ewigkeit" ist ein berührendes, schönes und spannendes Buch, bei dem man mit den Hauptpersonen mitfiebert und eine tiefe Bindung zu ihnen aufbaut und das zudem noch durch seine schöne Sprache besticht. Definitiv ein Muss für alle Hera Lind-Fans und alle, die es noch werden wollen!

Jana Gengnagel
13.04.2015

 
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Das Buch:

Hera Lind: Verwandt in alle Ewigkeit

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Diana Verlag, Mnchen 2014
413 S., 19,99
ISBN: 978-3-453-29123-2

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