Romane

Endlich kommt zusammen , was zusammengehrt!

Fantasy-Literatur wird von einigen Rezensenten immer noch nicht ernst genommen. Umso bemerkenswerter ist es, dass das Debüt des US-Schriftstellers Patrick Rothfuss, "Der Name des Windes", weit über die einschlägigen Genre-Magazine hinaus besprochen und weitgehend als großer Wurf gelobt wurde. Der zweite Teil der Königsmörder-Trilogie, "Die Furcht des Weisen", erschien im Deutschen - anders als in der Originalfassung - zweigeteilt. Mit dieser Sonderveröffentlichung kommen die beiden Teile - in einem schönen Schuber vereint und insgesamt 1.440 Seiten stark - wieder zusammen.

Thematisch dreht sich wieder alles um die Lebensgeschichte von Kvothe, die dieser rückblickend einem Chronisten diktiert. Der Magier muss das Studium an der Universität wegen eines Streites mit seinem Intimfeind Ambrose unterbrechen und nutzt die Gelegenheit, um zu reisen, sich beim Maer Alveron zu verdingen und mehr über die geheimnisvollen Chandrian zu erfahren. Sein Weg führt ihn außerdem noch in das Feenreich und schließlich zu den Adem, deren Kriegskunst gefürchtet ist. Und immer scheint das Verhängnis nur einen Schwertstreich entfernt.

Wer dachte, dass Patrick Rothfuss im zweiten Band seiner Trilogie die Ideen ausgehen, sieht sich getäuscht. Im Gegenteil: Durch immer neue und vielfältige Einfälle wird die Geschichte des Magiers bei der Lektüre keine Sekunde langweilig. Diese fügt der Autor zu einer schillernden Welt zusammen, von der er immer wieder andere Elemente beleuchtet. Einen besonderen Reiz macht auch die facettenreiche Hauptfigur aus. Deren Erfahrungen und den Prozess des Erwachsenwerdens schildert Patrick Rothfuss so detailliert, glaubhaft und präzise, dass es sich bei seinem Werk stellenweise auch um einen klassischen Entwicklungsroman - in einer magischen Welt - handeln könnte.

Zudem überzeugt "Der Name des Windes" auch stilistisch. Wo einige andere Autoren des Genres sich in immer gleichen Phrasen verlieren, bietet Rothfuss Originalität und ein beeindruckendes Gefühl für Sprache. Mit wenigen Sätzen gelingt es dem Autor, eine passende Atmosphäre zu kreieren und dem Leser eine eigentlich fremde Welt so zu beschreiben, dass sich dieser dort zu Hause fühlt. Die Sprachkunst von Patrick Rothfuss können - dank der guten Übersetzung aus dem Englischen - auch Leser der deutschen Ausgabe vollauf genießen. Dank gebührt hier nicht nur Jochen Schwarzer, der bereits den ersten Band übersetzte, sondern dieses Mal zudem Wolfram Ströle.

Die unglückliche Trennung des zweiten Bandes - auch bezüglich der gewählten Stelle im Plot - fällt als Kritikpunkt durch diese Sonderausgabe weitgehend weg. Lediglich der Handlungsstrang, in dem der alte Kvothe seine Lebensgeschichte erzählt, kommt insgesamt etwas zu kurz.

Mit dem Roman "Die Furcht des Weisen" bestätigt Patrick Rothfuss seinen Überraschungserfolg "Der Name des Windes" eindrucksvoll und ist auf dem besten Weg, eine der besten Trilogien des Fantasy-Genres zu erschaffen.

Ingo Gatzer
26.08.2013

 
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Das Buch:

Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen 1 & 2. Sonderausgabe. Aus dem Englischen von Jochen Schwarzer und Wolfram Strle

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Stuttgart: Klett-Cotta Verlag 2013
1440 S., 29,95
ISBN: 978-3-60893-928-6

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