Romane

Ein wichtiges Zeugnis der Geschichte des deutschen Exils

Als Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ausgerufen wurde, ahnte der damals 31-j?hrige Hans Sahl, dass nicht nur auf Deutschland schwere Zeiten zukommen w?rden. Nach der Macht?bernahme durch die Nationalsozialisten floh der einstige j?dische Literatur-, Film- und Theaterkritiker nach Paris, wo er den antistalinistischen Schriftsteller-Verband "Bund Freie Presse und Literatur" gr?ndete. W?hrend all dieser Jahre kam Sahl nie zur Ruhe, denn stets musste er um sein Leben f?rchten. Davon zeugen auch seine Werke, die ein Abbild des deutschen Schreckens sind und dem deutschen Volk auch 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges anhand eines Einzelschicksals ein St?ck Zeitgeschichte n?herbringen. So ergeht es einem auch mit "Die Wenigen und die Vielen", der Geschichte eines Schriftstellers, der zur Flucht aus Nazi-Deutschland gezwungen wird und im Exil ein neues Leben aufzubauen versucht.

Georg Kobbe verdient sein t?glich Brot als Dichter und wird als Jude von seinen Mitmenschen scheel von der Seite angesehen. Als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler durch Reichspr?sident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wird, stehen f?r Kobbe die schlimmsten Jahre seines Lebens bevor. Er liest und schreibt die falschen B?cher, ist j?discher Abstammung und begehrt offen gegen das nationalsozialistische Regime auf - alles Sachen, die den Dichter zum gro?en Feindbild Adolf Hitlers machen. Kobbe muss um sein Leben f?rchten und flieht aus dem NS-verseuchten Deutschland. Die Flucht f?hrt ihn durch halb Europa, bis Kobbe in Amerika einen sicheren Hort findet. Aber auch jenseits des gro?en Teiches kommt er nie zur Ruhe. Diesmal ist es nicht die Angst vor den Verfolgern, sondern die Sehnsucht nach der Heimat, die Kobbe schwer zusetzen und zeitlebens nicht mehr loslassen sollen.

Hans Sahls "Die Wenigen und die Vielen" geh?rt zu den wichtigsten Zeugnissen der Geschichte des deutschen Exils und verfehlt auch 50 Jahre nach seiner Erstver?ffentlichung nicht seine Wirkung. Der Roman ist die eindringliche Geschichte eines Mannes, der die Schrecken eines grausamen Regimes, vor dem niemand sicher war, am eigenen Leib zu sp?ren bekam. Beim Erz?hlen schreckt Sahl nicht davor zur?ck, dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte so realistisch wiederzugeben, dass sich der Leser in der Szenerie wiederfindet und Kobbes Erlebnisse, Gef?hle und Gedanken f?r die eigenen h?lt. Solch ein Buch sollte sich in jeder Hausbibliothek befinden, denn selten bekommt man solch detaillierte Einblicke in Deutschlands Vergangenheit, die uns bis heute mit Schrecken f?llt.

Susann Fleischer
14.06.2010

 
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Das Buch:

Hans Sahl: Die Wenigen und die Vielen

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Mnchen: Luchterhand Literaturverlag 2010
368 S., 22,95
ISBN: 978-3-630-87292-6

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