Romane

Auch Verlierer haben mal einen guten Tag

Vincenzo Malinconico, seines Zeichens neapolitanischer Anwalt, ist der Verlierertyp schlechthin. Seine Frau hat ihn wegen eines Architekten verlassen, sein 16-jähriger Sohn hat eine Neigung zur kriminellen Szene und seine Kanzlei läuft auch mehr schlecht als recht. Eigentlich glaubt Vincenzo, dass es gar nicht mehr schlimmer werden könnte, aber da täuscht er sich: Er soll als Pflichtverteidiger einen Mafioso aus dem Gefängnis boxen. Hätte er sich bloß nie auf die verhängnisvolle Liste für Pflichtverteidigungen setzen lassen. Nun heißt es Augen zu und durch!

Dann scheint sich für Vincenzo das Blatt allerdings zum Guten zu wenden: Sein Mandant, der Mafioso, wird tatsächlich fürs Erste auf freien Fuß gesetzt und Vincenzo hat erstmals das Gefühl, ein echter Anwalt zu sein. Bestätigt wird er von seiner attraktiven Kollegin Alessandra Persiano, die ein zweideutiges Interesse an Vincenzo an den Tag legt. Er scheint tatsächlich Chancen bei ihr zu haben - zumindest solange er sich nicht selbst ein Bein stellt. Hin- und hergerissen zwischen (vielleicht) zukünftiger Freundin und (fast) Ex-Frau, zwischen Gesetz und organisierter Kriminalität, zwischen Selbstzweifeln und Selbstsicherheit versucht Vincenzo sich mit seiner neuen Situation zu arrangieren. Da stellt sich nur die Frage, ob dieser Zustand von Dauer sein wird. Denn: Einmal Verlierer, immer Verlierer?!

Diego De Silva hat mit Vincenzo Malinconico sein ganz persönliches Alter Ego geschaffen, das in "Ich habe nichts verstanden" mehr schlecht als recht sein Leben meistert. Auch wenn Vincenzo sich bereits auf der ersten Seite als Verlierer entpuppt, so kann man für ihn nur Sympathie (mit einer kleiner Prise Mitleid) empfinden. Er geht mit Tiefschlägen so souverän um, dass man ihn manchmal sogar heimlich bewundert. Dabei wird an einer kräftigen Portion Wortwitz nicht gespart. Da ist Unterhaltung garantiert.

De Silva beweist mit dem vorliegenden Roman, dass Protagonisten nicht immer den großen Helden spielen müssen, sondern auch als Verlierer einen unvergleichlichen Charme besitzen. Und diesen kann man hoffentlich bald noch mehr genießen, denn an einer Fortsetzung wird schon fleißig gearbeitet.

Susann Fleischer
16.11.2009

 
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Das Buch:

Diego De Silva: Ich habe nichts verstanden. Aus dem Italienischen von Christiane Rhein

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Mnchen: Luchterhand Literaturverlag 2009
368 S., 10,00
ISBN: 978-3-630-62174-6

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