Romane

Die Frau im Moor

Michael ist sechzehn Jahre alt und lebt mit seiner Mutter alleine. Seine Geschwister sind bereits außer Haus und der Vater gestorben. Michael wurde streng religiös erzogen und beginnt eines Tages alles zu hinterfragen. Als seine Schulnoten so schlecht sind, dass seine Versetzung gefährdet ist, gibt der Lehrer ihm einen Blauen Brief mit nach Hause. Seine Mutter, die eine liebe und gute Frau ist, hat um ihr letztes zuhause lebendes Kind besondere Zukunftsängste. Auch herrscht in ihr große Scham, wenn das Nesthäkchen nun nicht versetzt werden könnte. Wie sollte sie das der Familie erklären? Wie stünde sie vor den Nachbarn da?

Und so steigt in Michael der Druck. Er wäre so gern perfekt und im Sinne der Mutter, aber er hat nunmal die großen Schwierigkeiten in der Schule. So sieht er keinen anderen Ausweg, als sich umzubringen. Eines Morgens geht er den Weg zur Schule vorbei an den Weiden mit den starken Eichen. Dort will er sich erhängen. Doch mit einem Mal scheint die strahlende, wärmende Morgensonne auf ihn herab. Er fühlt sich beflügelt und urplötzlich von einer Neugierde heimgesucht. Er folgt den Sonnenstrahlen in Richtung Moor und entdeckt dort, tief im Sumpf ein altes Häuschen mit Garten und Hühnerstall. Das Häuschen ist bewohnt von Renate, einer alten Witwe. Michael und Renate kommen ins Gespräch und beide freunden sich an. Sie ist die Weisheit pur und er ist ihr Jungbrunnen. Wann immer Michael Zeit hat, besucht er Renate. Sie führen stundenlange Gespräche über den Sinn des Lebens und ganz besonders über die Frage, ob es einen Urknall gegeben hat oder nicht. Überhaupt philosophieren die beiden immer wieder aufs Neue. Mit der Zeit kommen die beiden sich näher, trotz des großen Altersunterschiedes.

Für Michael ist dies der Beginn einer neuen Zeit. Schulisch verbessert er sich enorm, geistig reift er. Als er siebzehn wird, ist aus ihm ein junger Mann geworden, der weiß, was er will und der alles das Renate zu verdanken hat. Sie hört ihm stets aufmerksam zu, scheut sich nicht vor unangenehmen Fragen, geht auf ihn ein und antwortet immer, egal wie schwer eine Frage zu beantworten ist. Renate nimmt Michael von Beginn an ernst und das schürt ihre Liebe zueinander, das Vertrauen.

Der Autor Arno Meyer hatte schon seit dem Jahr 1959 die Idee zu dem Buch "Ein Augenblick der Ewigkeit", anlässlich des Todes eines Freundes. Viele Dialoge, die er im Zeitraum von 1949 bis 1960 mit Freunden geführt hatte, fanden Eingang in dieses Buch. Es ging überwiegend um Ideen zur Entstehungsgeschichte. Um plausible Lösungen. Wie kamen die Menschen auf die Erde? Wer ist Gott und was ist Gott? Gab es einen Urknall? Aber auch Zwischenmenschliches kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Wunderbare Dialoge zum menschlichen Dasein, dem menschlichen Makel, Gott, der Erde, Liebe und der Religion tun sich dem Leser auf. Der Autor hat diese mit Freunden geführten Dialoge in die Münder von Michael und Renate gelegt und damit ein sehr intimes und vielschichtiges Buch geschrieben. Es regt zum Nachdenken an, auch andere Sichtweisen akzeptieren zu lernen, zu überdenken. Es regt an, sich generell Gedanken zu machen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Äußere Hüllen und Materielles sind längst nicht so wichtig wie ein guter Charakter. Die Frage nach dem Sein hat Arno Meyer perfekt in eine fiktive Geschichte gepackt, die von Anfang bis Ende spannend und interessant ist.

Tanja Küsters
16.11.2009

 
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Das Buch:

Arno Meyer: Ein Augenblick der Ewigkeit

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2009
119 S., 13,80
ISBN: 978-3-8372-0507-7

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