Romane

Hexenwahn im Bamberg des 17. Jahrhunderts - Aus der Sicht einer Unschuldigen

Bamberg anno 1626: Während im Norden Deutschlands der 30-jährige Krieg tobt, verlebt die Apothekerstochter Johanna Wolff ein Leben ohne größere Sorgen. Seit ihrer Kindheit ist sie dem Stadtschreiber Hans Schramm versprochen - wuchsen die beiden doch miteinander auf und können sich ein Leben ohne einander nicht mehr vorstellen. Bevor sie allerdings den Bund der Ehe eingehen, möchte Schramm genügend Geld anhäufen, um seiner zukünftigen Frau ein weitestgehend sorgenfreies Leben bieten zu können. Als allerdings eines Tages Cornelius Weinmann in seine Heimat zurückkehrt - er verweilte während seines Medizinstudiums in Italien, bis der Tod seines Vaters ihn zur Heimkehr zwang -, zeichnet sich in Johannas Leben eine Wende ab: Erkennt sie doch, dass sich der ehemals eingebildete Junge zu einem liebevollen Mann entwickelt hat.

Während sich in der jungen Frau widerstreitende Gefühle entwickeln, beginnt in Bamberg eine Zeit voller Schrecken, eine Zeit der Hexenverbrennungen. Anlass für das dunkelste Kapitel der Stadt ist ein kleiner Junge, dem seine Lehrer Johann Spies´ Buch "Historia von D. Johann Fausten" weggenommen haben. Der Junge lässt sich dies allerdings nicht gefallen und versucht mit viel Radau und Gezeter das Schriftstück zurückzuerlangen. Schnell steht für den Fürstbischof der Stadt, Johann Georg Fuchs von Dornheim, seinen Weihbischof Friedrich Förner und die Bamberger obersten Herren fest, dass der Junge mit dem Teufel einen unheiligen Bund eingegangen ist und sich den dunklen Hexenkünsten hingibt. Um ihn und seine Seele zu retten, gibt es nur eine Lösung: Er muss im Feuer brennen, damit seine Seele gereinigt wird und so in das ewige Paradies gelangen kann. Damit ist der Grundstein gelegt für eine wahnwitzige Hexenverfolgung, vor der sich niemand schützen kann.

Anfangs sind es nur wenige Personen, die in das örtliche Gefängnis gesteckt werden. In dessen Mauern sind sie solange der Folter und dem Schmerz ausgeliefert, bis sie schließlich zugeben, dass sie sich mit dem Teufel eingelassen haben und sich der Hexerei hingeben. So sind sie verantwortlich für Hungersnöte, Hagel und Sturm, zudem verwünschen sie ihre Mitmenschen. Ein Bürger nach dem anderen wird abgeführt und die ersten Feuer brennen. Dabei führen nicht Indizien zu den Verhaftungen, sondern lediglich Beschuldigungen durch die anderen Angeklagten, sodass niemand - insbesondere gutbürgerliche Bamberger wie die Ratsherren und reichen Einwohner der Stadt - vor einer Verhaftung sicher sein kann. Als Johanna Wolff der Hexerei beschuldigt wird, beginnt für Cornelius ein verzweifelter Kampf um ihr Leben. Denn während sich Johannas Verlobter Hans von ihr abwendet, glaubt Cornelius an ihre Unschuld und geht ein hohes Risiko ein, um die junge Apothekerstochter vor dem Feuer zu retten.

Sabine Weigand führt mit ihrem nunmehr sechsten historischen Roman "Die Seelen im Feuer" den Leser gefühlvoll und erschreckend zugleich an ein Stück deutscher Geschichte heran. Aus der Sicht der Protagonistin Johanna Wolff werden die Schrecken einst durchgeführter Hexenverbrennungen wieder lebendig, sodass dem Leser ein Schauer nach dem anderen über dem Rücken läuft. Mit ihrer Sprache, die das Bamberg des 17. Jahrhunderts und dessen Einwohner glaubwürdig erstehen lässt, vermag es die Autorin sowohl tragische als auch romantisch-stille Momente herzustellen, die den Leser für sich einnehmen und ihn auch nach der Beendigung der Lektüre kaum loslassen.

Weigand weicht in diesem Roman erstmals von ihrem Konzept ab, die Geschichte aus den Augen einer historischen Figur erzählen zu lassen. Der Grund liegt auf der Hand: War doch damals jeder zum Tode verurteilt, der als Hexe oder Hexer benannt worden ist. Nachweislich konnte sich kein Beschuldigter der Verbrennung entziehen und starb unweigerlich vor den Augen seiner Familie und Freunde, sodass die Glaubwürdigkeit des Stoffes gelitten hätte, wenn die Wahl auf eine Person als Protagonistin gefallen wäre, die damals gelebt hat. Mit der Figur der Johanna Wolff hingegen hatte Weigand die Macht, einen Menschen vor dieser grausamen "Bestrafung" zu schützen und durch sie doch ein Abbild des damaligen Lebens zu schaffen, das dem Roman zusätzliche Authentizität verleiht.

"Die Seelen im Feuer" reiht sich hervorragend in die Reihe von Romanen wie "Das Perlenmedaillon" und "Die Königsdame" ein und beweist zudem, dass es Sabine Weigand ausgezeichnet versteht, historischen Stoff belletristisch für die Leserschaft aufzubereiten, wobei es nicht um die Abhandlung historischer Fakten geht, vielmehr stehen insbesondere das Herz und die Gefühle im Mittelpunkt des Buches, die den Leser berühren und zugleich wunderbar unterhalten.

Susann Fleischer
21.09.2009

 
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Das Buch:

Sabine Weigand: Die Seelen im Feuer. Historischer Roman

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Frankfurt am Main: Krger Verlag 2008
528 S., 19,90
ISBN: 978-3-8105-2663-2

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