Romane

Flippige Mutter trifft auf vernnftige Tochter

Die Geschichte "Adoptiertes-Kind-findet-leibliche-Eltern" ist keineswegs neu; neu an der hier vorliegenden Geschichte ist jedoch, dass die adoptierte Tochter nie den Drang verspürt hat, ihre leiblichen Eltern zu finden, stattdessen aber die leibliche Mutter ihre Tochter aufgespürt und nun ihr geregeltes, ruhiges Leben gehörig durchschüttelt. Mit "Als sie mich fand" hat Elinor Lipman den Spieß umgedreht und erzählt die Geschichte zweier Frauen – Mutter und Tochter – die sich nach 36 Jahren wiedersehen bzw. kennen lernen.

Die 36-jährige April, alleinstehende Lateinlehrerin, führt ein ruhiges Leben: Sie mag ihren Job, hält nichts von ausgeflippten Klamotten und verbringt ihre Abende meist gemütlich zu Hause. Ihre Adoptiveltern Trude und Julius, beide vor kurzem gestorben, waren Holocaust-Überlebende, die, sieben Jahre nach der Adoption Aprils doch noch ein eigenes Kind bekamen: Aprils Bruder Frederick. Schon als Kind hat er mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als April es jemals könnte. Der Unterschied zwischen der ruhigen, schüchternen April und dem Frauenliebling Freddie könnte nicht größer sein und dennoch haben beide ein gutes, geschwisterliches Verhältnis zueinander.

Bernice Graverman, Aprils leibliche Mutter, hat sich schon bald nach der Adoption Informationen über die Adoptiveltern erschlichen und jahrelang das Leben ihrer Tochter aus der Ferne verfolgt. 36 Jahre nachdem sie ihre Tochter zur Adoption weggeben hat, nimmt sie nun Kontakt mit ihr auf. Schon bei der ersten Begegnung von Mutter und Tochter wird klar: Hier treffen mit der unscheinbaren April und der extravaganten Bernice zwei Welten aufeinander. Bernice G., wie sie sich in der Öffentlichkeit nennt, ist ein nationaler Fernsehstar, der nichts von Zurückhaltung und Vernunft hält. So mischt sich die Talkmasterin, die auch gerne einmal die ein oder andere Lüge erzählt, nicht nur in den Kleidungsstil ihrer Tochter ein, sondern auch in ihr – so gut wie nicht vorhandenes – Liebesleben.

Mit Bernices Auftreten hat sich Aprils Leben radikal geändert – nicht unbedingt nur zu ihrem Nachteil, wie sich später herausstellt. Lipmans Roman lebt von der Komik und der Frische, die durch das Aufeinanderprallen zweier unterschiedlicher Charaktere wie Bernice und April zustande kommt. Ein etwas anderer Mutter-Tochter-Adoptions-Roman, der sehr unterhaltsam und fesselnd ist.

Sabine Mahnel
29.09.2008

 
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Das Buch:

Elinor Lipman: Als sie mich fand. Aus dem Englischen von Uschi Gnade

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Mnchen: dtv 2008
364 S., 8,95
ISBN: 978-3-423-21087-4

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