Krimis & Thriller

Neues von den Templern

In Peru ist die junge amerikanische Anthropologin Jessica bei Ausgrabungen zugegen, von denen sie sich handfeste Beweise für ihre schaurige Theorie über grausame Rituale aus der Moche-Kultur erhofft. Tatsächlich scheinen erste Funde darauf hinzuweisen, dass die hochentwickelten Moche sich bei lebendigem Leibe Extremitäten abtrennten. Im schottischen Edinburgh begegnet der Journalist Adam Blackwood dem betagten Templer-Experten Archibald McLintock, der einen höchst verstörten Eindruck auf ihn macht. Wenige Tage danach rast McLintock scheinbar aus freiem Willen mit seinem Auto in den Tod. Für Blackwood ist dieses Verhalten völlig unerklärlich, äußerte sich McLintock bei ihrem letzten Treffen doch so, als ob sich seine Studien über die Templer gerade in eine ganz neue Richtung entwickelt hätten.

In London muss Detective Chief Inspector Mark Ibsen merkwürdige Todesfälle junger hipper Menschen aufklären. Sämtliche Opfer verdankten ihr Ableben abartigen Verstümmelungen, die sie - so die schockierende Erkenntnis Ibsens - sich mutmaßlich selbst hinzugefügt hatten. Der spitzfindige Leser schlägt natürlich sofort den Bogen um den halben Erdball und zieht Parallelen zwischen den Vorfällen auf der britischen Insel und den Entdeckungen in der peruanischen Wüste. Für die Handlungsträger bedarf es allerdings noch eines gehörigen Stücks Arbeit und auch einer gewissen Portion Glück, um die Erkenntnisse zusammenzuführen und dem Geheimnis hinter den Selbstverstümmelungen auf die Schliche zu kommen.

Seit Dan Browns millionenfachen Verkäufen seiner Mystery-Thriller um Robert Langdon sind ganze Horden von Schriftstellern auf denselben Trip verfallen. Wer die Regale in Buchläden oder die Vorschauen der Buchverlage durchstöbert, wird hunderte von Büchern aufspüren, die wie ein Ei dem anderen gleichen und einen kaum noch vom Hocker zu reißen vermögen. Bei Tom Knox wird der diesbezüglich ignorante Leser jedoch innehalten und zumindest dem Klappentext eine Chance geben. Der englische Schriftsteller hatte nämlich während seiner Tätigkeit als Reisejournalist auf jeden Fall das Schreiben gelernt und mit seinen bisherigen Büchern wie beispielsweise "Die Bibel der Toten" demonstriert, dass er sich aus der breiten Masse der Trendsurfer deutlich abhebt.

Hanebüchen erscheint dem Leser zu Beginn von "Der Babylon-Kult" die Heterogenität der Zutaten. Da weist der Titel gen Morgenland, mit dem Erzählstrang um McLintock werden die Templer quasi als Maggi der Mystery-Thriller beigemischt, eine mittelalterliche Kultur aus Südamerika wird ohne jeglichen Bezug zum Rest parallel am Köcheln gehalten und schließlich sorgt noch eine Mordserie unter den Schönen und Reichen Londons für viel Sex und Blut. Doch man wird nicht enttäuscht werden, wenn man Tom Knox die Chance gibt, die Geschichte mit seiner ganz eigenen Logik zu erzählen. Wie schon in seinen Vorgängerromanen zielt Knox wieder einmal auf sein Lieblingsthema der Manipulation von Menschen ab, doch damit auch schon genug des Spoilerns.

Das vorliegende Buch wird bei den meisten Lesern garantiert zum Page-Turner mutieren, da man den drei über weite Strecken parallel verlaufenden Handlungssträngen gespannt hinterherhechelt. Während Dan Brown für gewöhnlich den Zorn seiner Leser aufgrund ausufernder Cliffhanger auf sich zog, handhabt Tom Knox dies recht moderat und wohldosiert. "Der Babylon-Kult" eignet sich wunderbar für den Freund von Mystery-Thrillern, der über mangelnde historische Präzision hinwegsehen kann, sich aber abseits des ausgetrampelten Pfades Dan Browns und seiner Imitatoren bedienen möchte und noch eine gewisse Resistenz gegenüber abscheulichen Darstellungen menschlicher Abgründe mitbringt.

Christoph Mahnel
20.07.2015

 
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Das Buch:

Tom Knox: Der Babylon-Kult

Hamburg, Atlantik Verlag 2015
432 S., 14,99
ISBN: 978-3-455-65042-6

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