Krimis & Thriller

Adrian McKinty auf der Hhe seines schriftstellerischen Krimischaffens

Belfast, 1988: In der Coronation Road von Carrickfergus lebt man als Katholik unter Protestanten länger mit festen Gewohnheiten. Für Inspector Sean Duffy hieß die Morgenroutine bisher: Kaffee, Zigarette, unter dem Auto nach einer Bombe suchen, zum Dienst fahren. Fast 20 Jahre Polizeidienst haben selbst an Duffy genagt. Duffys erweitertes Morgenritual heißt nun: Kaffee, Zigarette, Asthma-Medikament inhalieren, Bombe suchen, den "Beemer" starten. Es wird dringend Zeit für eine Pause. Eigentlich wollte Duffy mit seiner Freundin Beth und der sechs Monate alten Tochter ein paar Tage Urlaub bei seinen Eltern machen. Ein bisschen Ruhe und Erholung. Aber ein Anruf von Polizeikollege DS McCrabban setzt diesen Plänen ein jähes Ende.

Ein Mann wird mit einem Pfeil im Rücken tot aufgefunden. Es waren wohl kaum Indianer; und auch Robin Hood dürfte als Täter nicht in Frage kommen. Wer greift in einer Stadt zur Armbrust, in der tonnenweise Waffen im Umlauf sind? Da das Opfer eh nur ein Drogendealer war, könnte man sein kurioses Dahinscheiden ruhigen Gewissens zu den Akten legen. Allerdings tut Duffy sich schwer damit, Morde unaufgeklärt zu lassen - auch wenn seine Vorgesetzten ihn dazu drängen und der Haussegen bei der jungen Familie Duffy gerade reichlich schief hängt. Und noch jemand möchte Duffy zum Aufgeben zwingen: Eines Nachts findet er sich im Wald wieder, wo drei bewaffnete, maskierte Gestalten ihn dazu zwingen, sein eigenes Grab zu schaufeln.

Aber Duffy ist berühmt-berüchtigt für seine Hartnäckigkeit, und vor allem dafür, den falschen Leuten auf die Füße zu treten. Er macht sich also auf die Suche nach einem Motiv und einem Täter. Francis Deauville hat nach kurzer Tätigkeit in einer Reserve-Einheit der irischen Polizei im Ausland mit Bankraub und Drogenhandel eine Karriere als Schwerkrimineller hingelegt. Sich nun als neuer Dealer in Belfast niederzulassen, scheint eine der schlechteren Ideen Deauvilles zu sein. Die Reviere sind fest unter den paramilitärischen Einheiten der Bürgerkriegsparteien verteilt, sie kassieren Schutzgeld und bekämpfen sich mithilfe von Tarnorganisationen bis aufs Blut. Ehe es sich Duffy versieht, gerät er ins Visier der IRA ...

Thrill-Time at its best - die Werke aus Adrian McKintys Feder bedeuten genialste Unterhaltung, die alles andere glatt in den Schatten stellt. Nimmt man eines zur Hand, haut es einen nach nur wenigen Sätzen glatt um. "Dirty Cops" steckt voller Krimikunst auf höchstem Niveau. Mehr Spannung als hier findet man garantiert nirgendwo anders. Gleich ab der ersten Seite geht es ordentlich mörderisch sowie knallhart zur Sache. Der nordirische Autor kennt mit seinen Lesern keinerlei Gnade. Von seinen Büchern geht eine immens große Gesundheitsgefahr aus. Also Vorsicht: Diese kosten einem (beinahe) das Leben, aber zumindest den Seelenfrieden sowie die Nachtruhe. An Schlaf ist zu keiner Sekunde zu denken. Was für ein Thrillerwahnsinn!

In der Kriminalliteratur gibt es mit Adrian McKintys Romanen nichts Vergleichbares. Diese sind mindestens so explosiv wie Dynamit. Während der Lektüre zerreißen die Nerven in tausend Fetzen. Solch 1a-Ermittlungsarbeit wie mit den Fällen von Inspector Sean Duffy findet man nur seltenst zwischen zwei Buchdeckeln. Für "Dirty Cops" braucht man einen Waffenschein.

Susann Fleischer
03.04.2018

 
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Das Buch:

Adrian McKinty: Dirty Cops. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Peter Torberg

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Berlin: Suhrkamp Verlag 2018
392 S., 14,95
ISBN: 978-3-518-46842-5

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