Kinder- & Jugendbcher

Wie weit sollte man gehen , um seine Angst zu besiegen?

Maria und Lou sind beste Freundinnen. Sie machen einfach alles zusammen. Maria ist fröhlich und lebensfroh und wird von Lou oft mit einem C-Dur verglichen, der für sie "optimistisch, reinweiß, elfenschön" klingt. Alles Eigenschaften, die Maria in sich vereint.

Lou hat sich in den neuen Schüler aus Island, Inni, verliebt, traut sich aber nur sehr zaghaft, mit ihm zu reden. Ihre mehr oder minder heile Welt zerbricht jedoch jäh, als sie die Nachricht erreicht, dass Maria von einem Zug erfasst wurde und im Krankenhaus liegt. Lou beschließt, einen Videoblog zu starten, den sie in Gedenken an ihre Freundin "Marias letzter Tag" nennt. Darauf postet sie so oft wie möglich Erlebnisse, die sie bei der Bewältigung ihrer Angst zeigen: Sei es, dass sie bei Flut zu den Deichen fährt oder aber sich bei einem Gewitter auf ein Feld stellt. Für sie ist der Sinn dieses Blogs, dass man das Leben mit jedem Tag neu erleben muss und das geht am besten durch den Sieg über die Angst. Mit der Zeit wird der Blog immer gefragter, bekommt mehr und mehr Follower und Lou gerät immer mehr unter Druck, noch gefährlichere Dinge zu tun, um sich der Aufmerksamkeit, die der Blog generiert, gewiss zu sein. Doch wo verläuft die Grenze? Wie weit sollte man gehen, um die Angst zu besiegen?

Das erste, das einem ins Auge fällt, wenn man sich das Cover zu "Marias letzter Tag" von Alexandra Kui ansieht, ist neben dem grün-weißen Umschlag das Play-Symbol. Damit wird sofort auf einen der zentralen Inhalte des Buches hingewiesen: den Videoblog der Hauptfigur. Beim Lesen fallen auch immer wieder Stichwörter, die ähnlich wie Hashtags funktionieren sollen, ins Auge.

Alexandra Kui benutzt verschiedene Arten des Erzählens. Zum einen ist es Lous Ich-Perspektive, die es dem Leser ermöglicht, die Hauptfigur und ihre Beweggründe zu verstehen. Zum anderen gibt es aber auch Abschnitte, die wie ein Video geschrieben sind. Auch Auszüge aus dem ins Leben gerufenen YouTube-Channel sind Teil des Buchs. Dadurch schafft es die Autorin, sich dem neuen Style und dem Alltag mit Social Media anzupassen. Leser wissen sofort, wo sie welche Art des Erzählens einordnen sollen. Dieses Spiel zwischen "normalem" Roman und den neuen Medien machen das vorliegende Buch zu etwas Besonderem.

Die verschiedenen Arten des Erzählens sind auch typographisch voneinander zu unterscheiden, was es dem Leser umso leichter macht zu erkennen, wo genau man sich gerade befindet.

Die Thematik, sich seiner Angst zu stellen, bietet jedem Leser die Möglichkeit, sich über seine eigenen Ängste klar zu werden. Dabei wird aber auch die Botschaft vermittelt, dass es in Ordnung ist, vor etwas Angst zu haben, solange man sich nicht davon beherrschen lässt. Der Druck, den soziale Medien manchmal auf Menschen ausüben können, wird ebenfalls kritisch hinterfragt. Dies wird allerdings so geschickt in die Geschichte eingebunden, dass der Leser nicht abgeschreckt wird.

"Marias letzter Tag" ist ein Buch, das mit einigen Überraschungen aufwarten kann und einige sehr aktuelle Themen unserer Zeit in sich vereint.

Jana Gengnagel
24.08.2015

 
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Das Buch:

Alexandra Kui: Marias letzter Tag

Mnchen: cbt 2015
ab 14 Jahren
285 S., 14,99
ISBN: 978-3-570-16317-7

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