Kinder- & Jugendbcher

Ein einziger Tag kann ein ganzes Leben verndern

Im Jahr 2007 drehte der Hollywood-Schauspieler Tom Cruise einen Film über den ehemaligen Hitler-Anhänger Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Dieser ist in die deutsche Geschichte eingegangen, als er am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler versuchte und scheiterte. Dies hatte nicht nur für ihn Konsequenzen, sondern für seine gesamte Familie. Die Zeit nach diesem Anschlag wird in dem Buch "Einundzwanzigster Juli" von Anne C. Voorhoeve thematisiert.

Heldin der Geschichte ist die 14-jährige Philippa, die von allen nur Fritzi genannt wird. Sie verbrachte die letzten zwei Jahre weit weg von ihrer Familie auf einem Bauernhof in Ostpreußen. Völlig unvermittelt taucht sie nach einem Vorfall in Berlin auf. Ein ungünstiger Zeitpunkt, da die Stadt ständig von den Alliierten bombardiert wird. Um sie zu schützen, schickt Fritzis Mutter ihre Tochter zur Familie nach Schloss Lautlitz in Baden-Württemberg.

Nach einer erlebnisreichen Zeit hört Fritzi, dass auf Adolf Hitler, den Führer, ein Anschlag verübt worden ist. Einen Tag später erfährt sie, dass Teile ihrer Familie diese Verschwörung geplant und ausgeführt haben. Die Verursacher sind bereits vom Gericht zum Tode verurteilt worden. Der Rest der Familie wird Stück für Stück aus der gewohnten Umgebung gerissen und in Gefängnisse, Kinderheime oder Konzentrationslager gesteckt.

Auch Fritzi wird eines Tages von der Gestapo abgeholt und landet bei ihrer Mutter im Gefängnis. Die einzige Person, die sich frei bewegen kann, ist Tante Alexandra, von allen nur Lexi genannt. Sie ist eine der besten Fliegerinnen der Deutschen Luftwaffe und für die Deutsche Wehrmacht unentbehrlich, auch wenn sie durch ihre Herkunft - sie ist Halbjüdin - gebrandmarkt ist. Lexi sorgt für die Belange ihrer Familie: Sie kümmert sich um Essen, warme Kleidung, Bücher und teilt alle Neuigkeiten den eingesperrten Familienangehörigen mit.

Doch das Gefängnis ist nicht die Endstation für Fritzi. Sie muss eine Odyssee quer durch Deutschland und verschiedene Aufenthaltsstationen (unter anderen Dachau, ein Hotel und Buchenwald) durchstehen. Dabei geht es ihr und den anderen trotz allem besser als den "normalen" Häftlingen, denn sie bekommen mehr Verpflegung und fast die gesamte Familie ist zusammen.

Anne C. Voorhoeves Roman "Einundzwanzigster Juli" ist in Anlehnung an die Geschichte der Familie von Stauffenberg geschrieben. So haben alle Figuren tatsächlich gelebt. Einzig Fritzi, ihre Eltern und ihr im Krieg verstorbener Bruder sind frei erfunden.

Die Geschichte aus den Augen eines Kindes zu sehen, lässt die Geschehnisse aus einem anderen Blickwinkel sehen. Fritzi, die einmal eine glühende Anhängerin Adolf Hitlers war, macht eine glaubwürdige Wandlung in eine junge, eigenständige Frau durch. Das Buch ist fesselnd geschrieben und bringt jungen Erwachsenen die schrecklichen Geschehnisse in der Zeit des Dritten Reiches auf einfühlsame aber auch eindringliche und deutliche Weise näher.

Susann Fleischer
10.11.2008

 
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Das Buch:

Anne C. Voorhoeve: Einundzwanzigster Juli

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Ravensburg: Ravensburger Verlag 2008
352 S., 14,95
ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-473-35293-7

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