Gedichtbnde

"Man kroch mal aufeinander" , frische poetische Einsichten aus Hosena

Der in Hosena lebende Autor Karl-Heinz Teichmann ist bereits mit Erzählungen und einem Roman und durch einzelne Gedichte bekanntgeworden. Sein Stil, der an den Neuen Realismus in der Malerei nach dem letzten Weltkrieg erinnert, prägt sich auch in den Gedichten aus, die gerade der Frankfurter Goethe Verlag herausgebracht und in den deutschsprachigen Ländern und für das deutschsprachige Publikum in den USA lieferbar gestellt hat.

Auch wer bislang mit Poesie nicht all zuviel anzufangen wusste, sollte zu Teichmanns Gedichten greifen. Statt sich selbst bespiegelnder Sprachakrobatik, künstlicher Synkopen, zwanghafter Rhythmik und ästhetischer letzter Seufzer bietet der schmale und auch deshalb zum Blättern einladende Band Einblicke in Erfahrungen, die jeder Leser wiedererkennt. Was dem Verfasser dabei gelingt, ist die kurze und besonders präzise Erfassung von Stimmung, Spannung, Sinn. So, wie es der Leser schon selbst empfunden hat, aber nicht in Worte fassen konnte. Literatur, die zum Leser spricht, hat diesen Sitz im Leben, ja im Erkennen des eigenen Erlebten spannt er ihn zum Himmel hinauf.

Als er an seinem Wiegenhaus steht, überkommt den Dichter Karl-Heinz Teichmann die Erinnerung. Aber: "Wo blieb das Spüren des Gewesenen,/ das Sehnen nach Wiederkehr?/ Nur schnell, ganz schnell wollt ich vorüber,/ Vergangenes war's, und sonst nichts mehr."

Wer nun glaubt, der Verfasser habe ein Erbauungsbuch über die ewigen Gesetze des Menschseins vorgelegt, der irrt. Ihm gelingen Frechheiten, die einem Wilhelm Busch alle Ehre gemacht hätten.

"Kurze Ewigkeit

Man kroch mal aufeinander

vor Liebesseligkeit.

Vergaß die Welt dort draußen

mit ihrer Herrlichkeit.

Sah nur noch dieses, 'Eine' (...)

Ein Jahr ist knapp vergangen,

der Alltag holt sie ein.

Die Conny nennt ihn: 'Alter.'

Franz sie: 'Dicke, mein.' (...)"

Wie die Sache ausgeht, kann man sich denken.
Ein herrlich abwechslungsreicher Band handwerklich sehr gut gearbeiteter Gedichte eines vorzüglichen ostdeutschen Autors, der ein wachsendes Publikum verdient hat. Dabei hat er Literatur geschaffen, die nicht nur den erwähnten Sitz im Leben des Lesers hat, nicht nur Gedichte, die Vergnügen bereiten, sondern, und das ist etwas ganz Besonderes, die auf das Leben zurückwirken, den Leser anrufen – ihn beglücken, wenn er den Dichter singen hört:

"Höre ich dein vertrautes Lachen,

geh fort von mir, viel Alltagsleid.

Gibt es dazu noch Sonnenschein,

wie neu erschaffen alles scheint."

Dr. Prinz von Hohenzollern
London, 24.05.2016

 
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Das Buch:

Karl-Heinz Teichmann: Ein Hauch von anderswo. Gedichte.

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Frankfurt a.M., London, New York: August von Goethe Literaturverlag 2016
84 S., 9,80
ISBN 978-0-85727-263-8/ 978-3-8372-1864-0

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