Gedichtbnde

Ich kann mein Leben endlich wieder meistern!

Die ersten Verse der Autorin entstanden 2013 während des Aufenthalts in einem Stimmheilzentrum. Gleich zu Beginn zeigt sie ihr Talent, stimmungsvolle Augenblicke, Eindrücke und Beobachtungen vorzugsweise aus der Natur einzufangen und lyrisch festzuhalten. So beschreibt sie die unterschiedlichen Jahreszeiten - der Winter und die Weihnachtszeit haben es ihr besonders angetan - feinsinnig, gefühlsbetont, farbenfroh und detailliert. Dabei verbindet die Autorin stets anschaulich ihr Wohlbefinden und ihr Seelenleben mit den Landschaftsbildern.

Zwischen ihren etwa 50 Gedichten und Kurzgeschichten erläutert die Autorin immer wieder, wie es beim Verfassen körperlich und seelisch um sie bestellt war - sei es in diversen Kliniken oder auch zu Hause. Diese Hinweise tragen erheblich zum Textverständnis bei. Mit ihrem steigenden Selbstbewusstsein wachsen immer mehr die Freude und die Lust am Dichten. Das zeigt sich auch an den immer positiveren Inhalten. Mit der Verschriftlichung ihrer Gedanken kann sie sich am besten mit ihren Schmerzen, die sie als Kind erleiden musste, auseinandersetzen und diese endgültig verarbeiten. Das beweist sie ausdrucksstark vor allem in den vier Gedichten "Seelenleben", "Zerstörte Kinderseele", "Depressionen" und "Freiheit für meine Seele", die doch recht tief in ihr Inneres blicken und die Leser ihre Gefühle spüren lassen. Gelungen der Vergleich ihres Seelenlebens mit dem Wetter im April: Nach einer strahlenden Sonne von einem stahlblauen Himmel bei ihrer Geburt wurde es immer grauer und dunkler, gefolgt von Regen und Gewitter, was immer wieder mit der Sonne abwechselt. Am Ende dieses kleinen Zyklus kann sie aufatmen und fühlt sich befreit und glücklich. Wie sie später noch erleichtert feststellt, hat sie sich endlich von den Fesseln ihrer Kindheit befreit, nachdem sie auch noch einmal das Verhältnis zu ihren Eltern, die sie selbst als ihre Peiniger bezeichnet, dargestellt hat. Immerhin kann sie auch einmal ihrer Situation in einer Klinik etwas Humorvolles abgewinnen und verfasst als "Pschosomat" einige nicht ganz ernst gemeinte Verse.

Daneben macht sie aber auch andere Menschen zum Gegenstand ihrer Betrachtungen: ihren Mann, ihre Enkel, weitere Verwandte, ehemalige Mitpatienten und eine Freundin und bringt diesen Menschen ihre Liebe beziehungsweise eine Wertschätzung zum Ausdruck.

Insgesamt ein recht abwechslungsreiches Büchlein, das zahlreiche Facetten des Lebens behandelt und einmal mehr zeigt, dass Gedichteschreiben durchaus eine Möglichkeit ist, belastende Ereignisse von früher aufzuarbeiten und wieder ein glückliches Leben zu führen.

Dr Andreas Berger
22.02.2016

 
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Das Buch:

Liane Steppat: Der Weg ist das Ziel. Gedichte aus meinem Leben

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Frankfurt: Frankfurter Literaturverlag 2015
62 S., 10,80
ISBN: 9783837217384

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