Gedichtbnde

Die Besinnung auf das wichtigste im Leben

Gedichte sind ein Ventil für Stimmungen. Alban Sturn zeigt in seinen Gedichten des Lyrikbändchens "Etwas und Nichts" tagtägliche Stimmungen, wie sie wohl jeder kennt: Vielen Lesern wird das alles bekannt vorkommen. Es tut gut, solche Gedanken zu reflektieren, der Leser fühlt sich verstanden, nicht selten überkommt einen das Deja vu-Erlebnis. Sehr lyrisch wird von Trauer erzählt, von der Liebe natürlich, von Angst, Gleichmut, auch vom Zorn, wenn der Autor um sich herum Werte schwinden sieht, die ihm wichtig sind. Die Gedichte zeigen einen Blick auf den Jahreslauf, eines ist einem ganz speziellen Freund gewidmet – wer wünschte sich nicht, auf diese Art und Weise gewürdigt zu werden? – und zeigen wie etwa bei "Winter" oder "Erster Schnee" einen behutsamen, liebevollen Blick auf Dinge, die wir im Alltag oft gar nicht richtig wahrnehmen.

Die Gedichte des Bandes sind in einem knappen halben Jahr entstanden. Das ist bemerkenswert, denn dieses Tempo ist den Gedichten nicht anzumerken. Sie haben eine Tiefe, die man heute kaum noch antrifft. Die sehr schöne, lyrische Sprache zieht den Leser schnell in ihren Bann und klingt lange nach. Beim Gedicht "Stillleben" meint man, das Spiel des Lichtes und die Konturen des Bildes ganz genau vor sich zu sehen. Hier und da sind die Verse sehr romantisch – manchmal aber auch voller Bitterkeit. Alban Sturn trauert oftmals der guten alten Zeit hinterher, sei es die Sprache betreffend oder die Werte im Leben meinend. Und man kann ihn verstehen: nachdenklich gemacht, muss man ihm beim Lesen bald Recht geben. Diese Besinnung auf das, was wirklich wichtig ist im Leben, tut gut in hektischer Zeit.

Andererseits gibt es Wortspiele, die durchaus einen feinen, nicht vordergründigen Sinn für Humor beweisen. Erstaunlich beispielsweise, was Alban Sturn im Gedicht "Felder unserer Väter" in stimmigen Zusammenhang mit einem Leben und dem Begriff "Feld" verbindet . . . Ebenso ungewöhnlich, welche Assoziationen der Autor zum Wort "fließen" hat oder zum Thema "Tageshimmel und Nachthimmel". Dabei ist es nur einfaches Nach-Denken, dem Wort nachgehen, was diese Ideenquelle sprudeln lässt. Aber wann nimmt man sich schon die Zeit für solch intensives Nach-Denken? Auf jeden Fall sollte man sich Zeit für diese wunderschönen Gedichte nehmen.

ker
02.12.2004

 
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Das Buch:

Alban Sturn: Etwas und Nichts

CMS_IMGTITLE[1]

Frankfurt/M.: Weimarer Schillerpresse 2004
135 S.
ISBN: 3-86548-017-9

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