Erzhlbnde & Kurzprosa

Fnf Erzhlungen statt einem Roman

Was urspr?nglich als Roman gedacht und angek?ndigt war, wurde letztendlich ein Erz?hlband mit f?nf Erz?hlungen, wobei die l?ngste davon, "Die Maske", mit 40 Seiten zur Titelgeschichte avancierte. Dass Lenz "Die Maske" nicht auf Romanl?nge brachte oder zumindest eine Novelle wie "Schweigeminute" (2008) daraus schmiedete, ist u. a. sicherlich seinem hohen Alter von mittlerweile 85 Jahren geschuldet. Trotz seiner K?rze geb?hrt dem neuen B?ndchen des gro?en deutschen Erz?hlers nicht weniger Aufmerksamkeit als seinen umfangreicheren Werken. 

Dass das Wasser, das Meer und die Menschen an der Nord- und Ostseek?ste seine Welt sind, ist in vier der f?nf Erz?hlungen deutlich sp?rbar. Lenz wird nicht m?de, den besonderen Schlag Menschen, die vom rauen Wind und der Willk?r der Elemente gepr?gt wurden, in den Mittelpunkt seiner Werke zu stellen und eine symbolhafte Sprache zu schaffen, in der Wasser, Wind und Sand die Hauptrollen spielen. 

Die Titelgeschichte "Die Maske" spielt auf einer kleinen Insel in der Elbm?ndung, an deren Strand bei einem Sturm ein Container angesp?lt wird, der f?r das V?lkerkundemuseum in Hamburg bestimmt ist und eine Reihe von Tiermasken enth?lt. Die Inselbewohner probieren die Masken auf, und als h?tten sie damit eine andere Identit?t angenommen, sind damit lang gehegte Feindschaften pl?tzlich vergessen, ja es bahnt sich sogar eine zarte Liebe an, die ohne die Maskierung keine Chance gehabt h?tte. 

Von lebensver?ndernden Momenten wei? Lenz auch in "Rivalen" und "Der Entwurf" zu erz?hlen. Rivalen erschafft der Museumsw?rter Detlev Krell, als er das Gem?lde der sch?nen "Antonia mit dem blauen Schal", in die er sich verliebt hat, mit nach Hause bringt und seine Frau damit zu einer Verzweiflungstat treibt. "Der Entwurf" im Schreibheft des alternden Schriftstellers besch?ftigt sich mit der Lebensgeschichte seines Sohnes Sven, der bei einem tragischen Unfall auf der Elbe ums Leben kommt. Doch so unscheinbar diese Erz?hlung bis fast zum Schluss zu sein scheint, Lenz h?lt f?r seine Leser im letzten Satz eine Offenbarung bereit, die einen wie eine m?chtige Welle vor den Kopf st??t. Unwillk?rlich geht man als Leser das gerade Gelesene noch einmal durch, auf der Suche nach Anhaltspunkten, nach Hinweisen, die einen auf diesen Schluss h?tten vorbereiten k?nnen. 

In seinem Sp?twerk pr?sentiert Lenz seiner Leserschaft f?nf Geschichten ?ber Sein und Schein, ?ber die unz?hligen Versuche, die Wirklichkeit fassen zu k?nnen, ?ber das Schicksal, dem keiner entkommen kann - wie Lenz den Protagonisten seiner letzten Erz?hlung am Ende treffend formulieren l?sst: "Das Schicksal verzichtet oft auf Kommentare, es begn?gt sich damit, zuzuschlagen." 

Sabine Mahnel 
28.11.2011

 
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Das Buch:

Siegfried Lenz: Die Maske

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Hamburg: Hoffmann und Campe 2011
123 S., 17,99
ISBN: 978-3-455-40098-4

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