Erzhlbnde & Kurzprosa

Nichts ist , wie es scheint

Katharina fährt an einem regnerischen und stürmischen Herbsttag auf den Straßen ihrer Stadt. Als allerdings Regen und Sturm heftiger werden, beschließt sie, am Straßenrand anzuhalten, den Motor abzuschalten und zu warten, bis das Schlimmste vorbei ist. Aber auch nach einer halben Ewigkeit ändert sich nichts und so beschließt Katharina weiter zu fahren - in der Hoffnung, dass woanders das Unwetter schon nachgelassen hat. Doch ihr Wagen springt nicht mehr an, obwohl der Tank halb voll ist und das Auto keinerlei Macken hat. Sie versucht es immer wieder, jedoch ohne Erfolg. Plötzlich gibt es einen lauten Knall und in der Ferne leuchten helle Lichter auf. 

Aus sicherer Entfernung beobachtet Katharina dieses Szenario und bekommt es mit der Angst, denn eine alte Frau mit einer Schubkarre, aus der Beine baumeln, kommt ihr entgegen. Katharina gerät in Panik, doch kurz vor ihr wechselt die Alte die Straßenseite und verschwindet im Nichts. Kurz darauf sieht sie eine Horde Kinder auf sie zulaufen, die ebenfalls unmittelbar vor ihrem Wagen die Straßenseite wechselt und verschwindet - wie auch die kleine Karawane mit Kamelen. Erst damit ist der Spuk vorbei und das Unwetter gewichen. Der Motor lässt sich wieder starten und Katharina hat es eilig fort zu kommen. 

In der Redaktion der Zeitung, bei der sie tätig ist, erfährt sie, dass eine alte Frau zu Tode gekommen ist. In den Tagen darauf hört sie des Weiteren, dass die Kinder und die Personen der Karawane umgekommen sind. Doch das kann nicht sein, denn das war nicht real, was sie gesehen hatte. Sie ist fest davon überzeugt, dass da eine höhere Macht im Gange ist. Sie wird aufgrund ihrer psychisch labilen Lage von ihrem Chef beurlaubt und begegnet dem mysteriösen Tony, den sie auf der Hochzeitsfeier ihrer Kollegin kennengelernt hat. Bald darauf wird Tony in einen Verkehrsunfall verwickelt und stirbt beinahe. Katharina weilt an seinem Bett und versucht zugleich ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, was allerdings schwieriger ist als gedacht. Kehren diese seltsamen Momente kehren doch immer wieder - mit verheerenden Folgen für sie alle ... 

Monika Wojcik hat in ihrer Erzählung "Was sie nicht sehen durfte" reale und fantastische Elemente miteinander vermischt und daraus eine sehr spannende Geschichte geschaffen, die von Vertrauen und Liebe erzählt - aber auch vom Übersinnlichen, von Fiktion und Schicksal. Die Protagonisten werden direkt in das Geschehen hineinkatapultiert und müssen ihren Weg gehen. Und es ist ein gefährlicher, aber auch klärender Weg. Zügig hangelt sich die Autorin an dem roten Faden entlang und verliert ihn auch nicht zum Ende hin. Was auch an der Spannung liegt, die stets spürbar ist. 

Es macht unglaublichen Spaß Katharina zu folgen, das Abenteuer mit ihr zu erleben und herauszufinden, was es mit Tony auf sich hat und all den anderen, diesich so viel anders als gewöhnlich benehmen. Eine gekonnte Mischung aus verschiedenen Genres hat Monika Wojcik da geschaffen, ebenso wie durchweg sympathische Charaktere und die zwielichtigen Gestalten. Und an Atmosphäre mangelt es auch nicht. 

"Was sie nicht sehen durfte" ist eine durch und durch spannende Erzählung, die sehr gut und flüssig zu lesen ist. Viel zu schnell lesen sich die 56 Buchseiten und Monika Wojcik hätte daraus gut und gerne einen Roman von 200 Seiten und mehr machen können. Talent zum Erzählen hat sie mit diesem Werk bewiesen! 

Tanja Küsters 
14.06.2011

 
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Das Buch:

Monika Wojcik: Was sie nicht sehen durfte

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Frankfurt am Main: Weimarer Schiller-Presse 2007
56 S., 6,90
ISBN: 978-3-86548-964-7

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